
04.10.2010 - Spiegel-online: Umstrittene Shows - Das langsame Sterben der Delfinarien
Auszüge aus dem spiegel-online Artikel:
"Grundsätzlich werden die Delfinarien ein Auslaufmodell sein", meint der Chef des Delfin- und Walschutzforums, Jürgen Ortmüller. Für Ortmüller ist das Delfinarium ein Ort des Schreckens. Die Tiere würden gequält, lebten auf zu kleinem Raum in unhygienischen Becken, in die kein Sonnenlicht komme, sagt der Kritiker. "Die antrainierten Kunststücke machen sie nur, weil sie gefüttert werden." Kein Delfin springe in Freiheit über Hindernisse. "Delfine können niemals artgerecht gehalten werden", sagt Ortmüller. "Die Lebensqualität von Delfinen in Gefangenschaft ist gleich null." Im Münsteraner Delfinarium ist der Beckenrand grün, der Boden schwarz gefleckt. Es hat sich Moos gebildet. Feldhoff (Anm.: Delfin-Dompteur in Münster) räumt ein: "Wir kommen mit dem Säubern einfach nicht hinterher." Aber das habe nichts damit zu tun, wie es den Tieren ginge. Größer könnte das Becken sicherlich sein. Und schön wäre eines draußen, sagt er. Wo die vier Delfine aus Münster künftig leben werden, ist unklar. Einer kommt vielleicht nach Nürnberg, die drei anderen wahrscheinlich nach Holland.
04.10.2010 - Delfinarien stehen vor ungewisser Zukunft - Münster schließt
15.09.2010 - Zoo ohne Elefanten u. Delfine - "WDSF bedankt sich bei Zoo-Chef für seine Einsicht"
11.09.2010 - Delfinarium Münster schließt nach fast 3-jähriger Intervention des WDSF und ProWal
26.08.2010 - Initiative kämpft weiter gegen Münsters Delfinarium
Hinweis: Über den genauen Verbleib der Delfine hat der Allwetterzoo keine Angaben gemacht. Das WDSF wird nicht zulassen, dass die Tiere im nächsten Betonbecken landen. Wir fordern den Transfer in ein Freiluftgehege, da eine Auswilderung der teilweisen Nachzuchten ausscheidet.
In einer Umfrage der Münsterschen Zeitung haben sich über 90 Prozent gegen Delfinarienbesuche ausgesprochen:
Wohin mit den Delfinen?
Es wird immer wieder die Frage gestellt, was mit den Delfinen passiert, wenn die Delfinarien geschlossen werden. In Deutschland liegt die Verwendung der Tiere in erster Linie in der Verantwortung der drei verbliebenen Zoo-Delfinarien in Duisburg, Münster und Nürnberg. Diese müssen ein entsprechendes Zookonzept in Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) vorlegen. In der EG-Verordnung 338/97 (http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/artenschutz/pdf/EG_Artenschutz_VO_338_97_ap_0904.pdf) sind die Kriterien des Handels mit Wildtieren zu deren Schutz festgelegt.
In der sog. EU-Zoorichtlinie (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:1999:094:0024:0026:DE:PDF) heißt es bezogen auf die Zoos:
"Sie beteiligen sich an Forschungsaktivitäten, die zur Erhaltung der Arten beitragen, und/oder an der Ausbildung in erhaltungsspezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten und/oder am Austausch von Informationen über die Artenerhaltung und/oder gegebenenfalls an der Aufzucht in Gefangenschaft, der Bestandserneuerung oder der Wiedereinbürgerung von Arten in ihren natürlichen Lebensraum" (aus RICHTLINIE 1999/22/EG DES RATES vom 29. März 1999 über die Haltung von Wildtieren in Zoos).
Das WDSF hat den Zoodirektoren der drei noch vorhandenen Delfinarien in Deutschland seine Unterstützung bei der Frage der Verwendung der Delfine angeboten. Wir haben mehrfach vorgeschlagen, die Meeressäuger aus den Betonbecken in teiloffene Meereslagunen unter menschlicher Obhut zu transferieren, um sie auf eine evtl. Auswilderung vorzubereiten. Nicht jeder Delfin lässt sich aufgrund seiner langjährigen Gefangenschaft wieder auswildern - für Nachzuchten scheidet eine vollständige Auswilderung weitgehend aus. Durch die monotone Haltung in den kleinen Gehegen mit Swimmingpool-Größe haben die Delfine die eigene Nahrungsjagd verlernt. Das Sonar ist meist völlig verkümmert. Eine bedingungslose Auswilderung wäre der sichere Tod der Tiere.
Nachdem die Zoos mit ihren Delfinarien jahrzehntelang Millionen verdient haben, ist ihnen durchaus zuzumuten, die finanziellen Mittel für die Transfers zur Verfügung zu stellen und für eine lebenslängliche Betreuung der Meeressäuger in weitgehender Freiheit zu sorgen. Seit Jahren setzen wir uns mit ProWal dafür ein, dass die Bundesregierung ein ausnahmsloses Importverbot für Delfine und Wale (Cetacea) beschließt, zumal die Bundesratsermächtung für solch einen Bundestagsbeschluss bereits in § 13 Tierschutzgesetz verankert ist - bis heute hat keine der Regierungskoalitionen dafür plädiert.
Nach Verlautbarungen des Delfinariums in Münster sollen die im September 2008 aufgenommenen drei Jungbullen nach der beabsichtigten Schließung im Jahr 2012 zurück in das Delfinarium Harderwijk/Holland transferiert werden. Der verbleibende Große Tümmler soll in das dann fertiggestellte neue Delfinarium in Nürnberg verbracht werden.
DerWesten: Kampf für Delfine vor laufender Kamera
Die WDSF/ProWal-Demonstrationen werden trotz Ankündigung der Schließung des Delfinariums in Münster fortgesetzt, zumal die Delfine offenbar in das nächste Betonbecken gepfercht werden sollen. Entgegen der beabsichtigten Schließung des Delfinariums Münster im Jahr 2012 fordert das WDSF die umgehende Schließung sämtlicher Delfinarien in Deutschland (Münster, Duisburg und Nürnberg).

Informationen zum Delfinarium in Münster erhalten Sie auch unter:
2008 http://www.walschutzaktionen.de/155501/451301.html
2009 http://www.walschutzaktionen.de/155501/630501.html
2010 http://www.walschutzaktionen.de/155501/778601.html
Delfinarien in Deutschland
(Bericht Delfinarium im Allwetterzoo Münster s.u.)
(akt. Okt. 2010) Delfin-Shows, Delfintherapie und Schwimmen mit den scheinbar ewig lächelnden und freundlichen Flippern lassen auch in Deutschland die Kassen klingeln. Die Zoos in Duisburg, Münster und Nürnberg mischen bei dem Geschäft kräftig mit. Das Delfinarium in Münster soll in 2012 geschlossen werden. Das WDSF hatte etliche Haltungsmängel und Verstöße gegen rechtliche Grundlagen aufgedeckt. Ein Umbau wurde dem Allwetterzoo Münster zu teuer. Seit 1999 bietet der Tiergarten Nürnberg unter dem Deckmantel der Wissenschaft die medizinisch und wissenschaftlich nicht anerkannte Delfintherapie an, um ab 2011/12 im Delfingeschäft voll einzusteigen. Rund 24 Millionen Euro lässt sich der Zoo in Nürnberg das neue Betonbecken „Delfin-Lagune“ für eine Kapazität von bis zu 14 Delfinen kosten - finanziert durch einen Kredit der ohnehin schon strapazierten Stadtkasse.

Delfinarium im Allwetterzoo Münster in Swimmingpoolgröße mit gechlortem Wasser und Holzhüttencharakter
In einer Rechtfertigung der Zoodirektoren mit Delfinarien (Duisburg, Münster und Nürnberg) zum Film "Die Bucht" vom 02.10.2009 schreiben die Zooverantwortlichen: "Von den heute in Delphinarien in der Europäischen Union lebenden Delphinen stammt kein Tier aus Japan." Dass in der Türkei in Alanya im Delfinarium "Sealanya" weitere Delfine aus dem grausamen Fang in Japan in Gefangenschaft gehalten werden, von denen vier Delfine im Februar 2010 unter mysteriösen Umständen verstarben, verschweigen die Zoodirektoren ebenfalls.
Aber auch in Deutschland gibt es Delfine aus Wildfängen. Zum Tiergarten Nürnberg gehören von insgesamt neun Delfinen vier Wildfänge aus Kuba und Florida (Moby, Jenny, Anke und Nynke). Zwei von diesen Wildfängen sind vorübergehend in Harderwijk/Holland "geparkt" (Anke und Nynke). Ein Wildfang-Nachzuchtweibchen (Eva) ist im Juli 2009 verstorben. Im Zoo Duisburg werden sieben Delfine in Gefangenschaft gehalten; davon zwei Wildfänge und ein Amazonas-Flussdelfin in Einzelhaltung. Im Delfinarium des Allwetterzoos Münster teilen sich vier große Tümmler mit sechs Seelöwen ein Hauptbecken von ca. 10 x 20 Metern und zwei Hinterbecken in völlig trostloser Umgebung (Anm.: Der Sotalia-Delfin aus einem Wildfang ist am 30.12.2009 verstorben).
Jeder zweite Delfin in Europa stamme aus freier Wildbahn und weiterer Bedarf sei geplant, sagte Dag Encke Leiter des Tiergartens Nürnberg in einem Zeitungsinterview. Der Delfinbestand in Deutschland ist überaltert. Durch den Tod des Zuchtweibchens Eva in Nürnberg ist weiterer Wildbedarf vorprogrammiert. Sämtliche neun verstorbenen Delfinkälber in den letzten acht Jahren dokumentieren in Nürnberg in dem Todesreigen von insgesamt über 90 in deutschen Anlagen gestorbenen Delfinen das Scheitern einer Nachzucht (siehe Todesliste Delfinarium Nürnberg ). Alleine 37 Delfine des Tiergarten Nürnberg verstarben frühzeitig - über 40 Delfine vermutlich im Zoo Duisburg. Der Duisburger Zoo-Chef Achim Winkler verweigerte bisher jede Angabe zu den genauen Todeszahlen und die vom WDSF eingeforderte Einsicht in die Zuchtbücher.
Von Artenschutz kann bei der Delfinhaltung in Gefangenschaft keine Rede sein, denn es ist seitens der Zoos niemals beabsichtigt, die Tiere oder deren Nachkommen wieder auszuwildern, weil die Entwöhnung vom Menschen äußerst zeitaufwändig und kostspielig wäre. Das Todesrisiko wäre außerordentlich hoch. Das Geschäft mit den Besuchern steht im Vordergrund und bringt den Betreibern Millionen.
Die VERORDNUNG (EG) Nr. 338/97 DES RATES vom 9. Dezember 1996 über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten als rechtliche und verbindliche Grundlage für die Wildtierhaltung sieht zwar grundsätzlich eine Auswilderung vor, jedoch kann diese umgangen werden, wenn die Zoos sich der Forschung und Bildung der gefangenen Arten widmen. Für die Delfinarien praktizieren die Zoos dies durch überwiegend nicht veröffentliche und veraltete Studien, wie eine Recherche des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) bei den Aufsichtsbehörden ergab. Diese sog. Forschungsarbeiten entsprechen z.B. für das Delfinarium Münster keinem wissenschaftlichen Standard, wie eine Überprüfung durch PD Dr. Christian Schulze, Biologe, von der Ruhr-Universität Bochum ergeben hat (Anzeige der gesamten Stellungsname). Die Umweltämter der Delfinstädte Münster, Nürnberg und Duisburg als Untere Aufsichtbehörde und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) als Höhere Fachaufsichtsbehörde verstoßen damit eindeutig gegen rechtliche Grundlagen. Das WDSF hat gegen diese Verstöße mehrfach vergeblich Fachaufsichtsbeschwerden eingelegt. Die dafür zuständige Bezirksregierung Düsseldorf schrieb dem WDSF-Geschäftsführer, dass die Ansichten der Tierschutz-Organisation "weltanschaulich geprägt" seien und alle Artenschutz-Richtlinien befolgt würden - ein Skandal!
Die zuständigen Ministerien in Bayern und NRW als Oberste Aufsichtsbehörden schweigen zu den Rechtsverstößen ebenfalls kontinuierlich. Mehrere Anfragen des WDSF blieben unbeantwortet. Die Parteien CDU/CSU und die FDP befürworten die Gefangenhaltung von Delfinen. Die SPD fordert lediglich bessere Haltungsbedingungen. Gegen die Delfinarien haben sich lediglich die Grünen im Bundestag mit Bärbel Höhn und Undine Kurth ausgesprochen und auf Landes- und Kommunalebene auch die Linke und die Tierschutzpartei. Die Grünen in Duisburg wollen an "ihrem" Delfinarien festhalten - in Münster war es nicht anders. Der neue grüne Umweltminister in NRW, Johannes Remmel, will das Thema im Herbst 2010 auf der Landesdeligiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen diskutieren. Die Grünen in Nürnberg intervenieren als einzige Stadtratspartei gegen das Delfinarium im Tiergarten Nürnberg.
Delfinarium Münster
(Delfinarium Zoo Duisburg: http://www.wdsf.eu/delfinarien/duisburg)
(Delfinarium Tiergarten Nürnberg: http://www.wdsf.eu/delfinarien/nuernberg)
Tierquälerei: Delfinarium im Allwetterzoo Münster für vier Delfine und sechs Seelöwen in Swimminpool-Größe mit Chlorwasser und ohne natürliches Sonnenlicht
(Anm.: Der Sotalia-Delfin Paco verstarb am 30.12.2009 an Vereinsamung - s.u.)

Das WDSF hat bereits im Juli 2009 durch ein Gutachten feststellen lassen, dass es für den Allwetterzoo Münster finanziell günstiger ist, das "private" Delfinarium des holländischen Betreibers zu schließen und einer anderen Verwendung zuzuführen, weil es vom Zoo mit alljährlich rund 750.000 Euro bezuschusst werden muss (Gutachten beim WDSF auf Anfrage erhältlich: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).
Aufgrund einer Beschwerde des WDSF bei der Höheren Fachaufsichtsbehörde (LANUV - Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) wurde in einem weiteren Gutachten für das Delfinarium in Münster festgestellt, dass die Lichtverhältnisse in Halle 2 völlig mangelhaft sind und ein neues Hallendach erstellt werden muss. Der Allwetterzoo wird von der Stadt Münster mit jährlich mehreren Millionen Euro versorgt, weil er völlig defiziär arbeitet. Das "private" Delfinarium bedrängte im Jahr 2010 in fast jeder Vorstellung die Zuschauer, die jeweils schon 14 Euro Zoo-Eintritt bezahlt haben, zusätzlich für das neue Hallendach zu spenden. Trotz der geleisteten Spenden der gutgläubigen und über die Haltungsmängel nicht aufgeklärten Besucher soll das Delfinarium Münster in 2012 geschlossen werden.

Nach dem vom WDSF rechtlich erzwungenen "Umbau" des Hallendaches in Halle 2 aufgrund unzureichender Lichtverhältnisse für die Delfine wurden, offenbar aus Kostengründen, lediglich kleine Querluken in die Dachkonstruktion eingefügt. Die Besucher sollten jedoch "für ein neues Hallendach spenden". Das WDSF wird diese Fehlinvestition bei der Höheren Fachaufsichtsbehörde bemängeln.

Nach dem "Umbau" ist die Halle 2 nicht wesentlich heller geworden und zudem auch noch verschmutzt. Aufgequollene Holzpaletten liegen in den Gängen.Weiterhin hat das WDSF in einer wissenschaftlichen Stellungnahme durch Dr. Christian Schulze von der Ruhr-Universität-Bochum feststellen lassen, dass der rechtlich erforderliche Wissenschaftsbezug durch das Delfinarium aufgrund mangelhafter wissenschaftlicher Arbeiten nicht erfüllt wird (Wissenschaftsbezug im Delfinarium Münster).
Mehrfach hat das WDSF mit ProWal in Münster gegen die Delfinhaltung demonstriert und die Bevölkerung über die katastrophalen Hintergründe aufgeklärt. Das WDSF forderte aufgrund der Unzuträglichkeiten für die Delfine, das Delfinarium umgehend zu schließen. Die vorhandenen Delfine, die erst im September 2008 aus einem Freiluftgehege in Holland importiert wurden, sollen umgehend in das Großgehege zurück transferiert werden, da eine Auswilderung für die Tiere nach der langen Zeit der Fütterung, wodurch das natürliche Jagdverhalten völlig verkümmert ist, weitgehend ausscheidet.

Pressemeldungen Delfinarium Münster
08.06.2010 - Fäkaliendusche im Delfinarien - Gefahr für Mensch und Tier?
11.03.2010 - Wie lange will sich der Allwetterzoo den Stress mit dem Delfinarium noch antun?
10.03.2010 - Zoodirektor Jörg Adler: "Auf die Delfine kann man im Zweifelsfall verzichten"
09.03.2010 -Allwetterzoo überdenkt Delfinhaltung
08.03.2010 - Bärbel Höhn --- "Delfinarien schließen"

WDSF-Foto im März 2010: Teilweise leere Ränge im Delfinarium des Allwetterzoos Münster und ein Delfin-Becken in Swimminpoolgröße ohne Aufsichtspersonal am nicht gesicherten Beckenrand. Im Jahr 2008 wäre beinah ein Kind in das Becken gefallen - bis heute sichert nur eine Kordel das tiefe Becken ab. ( Hier ein Artikel aus Münstersche Zeitungs )
08.01.10 - Westfälische Nachrichten - Kritik nach Delfin-Tod
06.01.10 - „Delfin Paco hat sich zu Tode getrauert“ - Delfinschützer warnten Münsteraner Delfinarium
Pressemitteilung vom 06.01.2010 zum Tod des Delfins Paco im Delfinarium Münster
„Delfin Paco hat sich zu Tode getrauert“ - Delfinschützer warnten Münsteraner Delfinarium
(Münster/Hagen-Westf./Radolfzell – WDSF/ProWal) Erst am 06. Januar 2010 gab das Delfinarium im Allwetterzoo Münster den Tod des Delfins Paco vom 30.12.2009 bekannt. Der Sotalia-Delfin war laut Obduktion im Alter von etwa 40 Jahren an Herz-Kreislaufversagen gestorben. Bei dem Delfin handelte es sich ursprünglich um einen Wildfang. Paco war Eigentum des Tiergartens Nürnberg und wurde 1991 im Zuge eines Zuchtabkommens mit zwei männlichen Artgenossen im Delfinarium Münster eingestellt. Eine Zucht wurde in Münster allerdings nie realisiert, zumal das Todesrisiko der sensiblen Nachzuchten in der relativ alten und kleinen Beckenanlage relativ hoch ist. Sämtliche Zuchtbemühungen in deutschen Zoos sind nicht nachhaltig. Die Todesraten der Nachzuchten überwiegt bei weitem.
Als im September 2008 drei Jungbullen aus Holland importiert wurden, musste die bis dahin bestehende Altgruppe von drei Delfinen, zu denen auch Paco gehörte, getrennt werden. Der Delfin Nemo, der seit 1996 mit den Artgenossen Nando und Paco zusammen lebte, wurde an das Delfinarium Harderwijk in Holland abgegeben.
Das westfälische „Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)“, das von dem Ex-TV-Trainer der Serie „Flipper“, Richard O’Barry, unterstützt wird und die Organisation „ProWal“ hatten bereits zum Zeitpunkt der Delfinneuzugänge davor gewarnt, dass das Auseinanderreißen des 12 Jahre bestehenden Sozialgefüges ein gesundheitliches Risiko für den Altdelfin Paco darstellen würde. Dass ein Sotalia-Delfin ein von Natur aus in Gruppen lebendes Tier ist, das eine intensive Bindung zu den Delfinen solch einer Delfinschule aufbaut, gilt als wissenschaftlich bewiesen.
Das WDSF hatte auch die Fachaufsichtsbehörde, das Landesamt für Natur und Umwelt (LANUV) eingeschaltet, um das bestehende Sozialgefüge zu erhalten. Das LANUV gab daraufhin ein Gutachten in Auftrag, das zu dem Ergebnis kam, dass „Delfine als Säuger ein natürlich temporär aggressives Verhalten zeigen“, und es daher gerechtfertigt sei, die drei ungestümen Jungtiere von den anderen Delfinen zu trennen. Der Export des Altdelfins Nemo nach Holland wurde aufgrund zu kleiner Beckengröße nach dem Import der drei neuen Jungbullen vom Umweltamt Münster abgesegnet. Weitere beantragte Importe wurden nicht zugelassen. Die Vorlage des vom WDSF angeforderten neuen Tierhaltungskonzept wurde bisher von der Stadt Münster verweigert. Die Landesdatenschutzbeauftragte rügte die Umweltbehörde im Auftrage des WDSF dafür ebenfalls erfolglos. Das WDSF legte daraufhin im Jahr 2009 gegen die Verweigerungshaltung der Stadt Münster als Untere Aufsichtsbehörde Widerspruch ein über den bis Juni 2010 noch nicht entschieden wurde.
Andreas Morlok von ProWal bezeichnet das Delfinarium in Münster als eine Endstation für Delfine, in dem ausschließlich kommerzielle Interessen überwiegen und die zu Clowns degradierten Delfine bis zu ihrem Tod Showmäzchen vorführen müssen. Morlok: „Wie viele Delfine müssen noch bis zu ihrem Tod in diesen winzigen Becken dahinvegetieren? Alle wildgefangenen Sotalia-Delfine, welche nach Deutschland verschleppt wurden, um eine Zucht aufzubauen, sind nun tot. Das Ergebnis dieser Zuchtbemühungen war lediglich eine Totgeburt im Nürnberger Delfinarium. Bis heute verweigern alle Delfinarien in Deutschland die Einsichtnahme in die Zuchtbücher der Delfine, weil die Betreiber genau wissen, dass die Veröffentlichung dieser brisanten Daten das Aus für diese Anlagen bedeuten würde. Ein seriös betriebener Zoo, der gar auf die Unterstützung von Steuermitteln angewiesen ist, muss auf eine derartige Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft verzichten, weil Delfinarien für wildlebende Populationen eine unnötige und zusätzliche Bedrohung darstellen. Die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft hat mit Artenschutz überhaupt nichts zu tun.“
ProWal und WDSF glauben, dass Paco die Trennung von seinen Delfinfreunden nicht verkraftet hat. Letztlich war er nur noch mit sechs Seelöwen separiert und hatte keinen Kontakt mehr zu den anderen Delfinen. Obwohl die Fachaufsichtsbehörde (LANUV) aufgrund einer Eingabe des WDSF ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass Baulärm für die sensiblen Delfine zu vermeiden ist, wurde das Hallendach im Delfinarium Münster im Winter 2009 erneuert, ohne dass die Tiere geschützt wurden. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller und sein Kollege Andreas Morlok (ProWal) sprechen von einem vorprogrammierten Tod des Delfins. Unter biologischen und ethischen Gesichtspunkten hätte die Trennung der Delfine niemals stattfinden dürfen. „Paco hat sich zu Tode getrauert und hat unter dem Baulärm altersbedingt gelitten", meint Ortmüller und fordert mit ProWal die Schließung des Delfinariums und den Rücktransfer der verbleibenden Tiere nach Holland.
Beitrag von PD Dr. Christian Schulze -(Biologe/ Ruhr-Universität Bochum): Wissenschaftsbezug im Delfinarium Münster
Rechtsverstöße werden im Delfinarium Münster durch das städtische Umweltamt und sogar durch die höhere Fachaufsichtsbehörde toleriert
(26.10.2009) Die rechtlichen Grundlagen des Säugetiergutachtens sehen vor, dass in einem Delfinarium sämtliche Delfine jederzeit Zugang zum gesamten Beckenkomplex haben müssen. Z.Zt. werden vier Große Tümmler getrennt von einem Sotalia-Delfin und sechs kalifornischen Seelöwen innerhalb des gleichen kleinen Beckenkomplexes gehalten, dessen Mindestgröße damit nicht mehr den Vorschriften entspricht!
Der Sotalia-Delfin zeigte Unverträglichkeiten mit der Gesamtgruppe und musste daher separiert werden. Aufgrund seiner Alterschwäche kann er nicht mehr transferiert werden und muss im gleichen Beckenkomplex gesondert gehalten werden, weil kein anderes gleichwertiges Becken zur Verfügung steht. Im Dezember 2009 verstarb der Sotalia-Delfin. Mangelhafte Haltungsplanung führt daher zu einem Gesetzesverstoß, der sogar durch die höhere Fachaufsichtsbehörde (Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz - LANUV) in Recklinghausen trotz Intervention des WDSF "aus pragmatischen Gründen" toleriert werden musste.
WDSF reagiert auf verlängerte Betriebsgenehmigung des Delfinariums Münster
WDSF erzielt Erfolge zur Zoo-Delfinhaltung – Landesumweltamt erteilt Münster Auflagen
Westfälische Nachrichten: Tierschützer fordern Aus für Delfinarium Protest vor Rathaus
Von Hyun-Ho Cha am 18.07.2009 13:33 Uhr MÜNSTER Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) aus Hagen hat am Samstag vor dem Rathaus Münster protestiert. Schon seit längerem fordert das WDSF die Schließung des Delfinariums im Allwetterzoo.

Mit Transparenten und einem Planschbecken haben Tierschützer aus Hagen am Samstag gegen das Delfinarium im Allwetterzoo Münster protestiert.
Die Protestaktion ist Teil einer bundesweiten Kampagne gegen die Delfinarien in Münster, Duisburg und Nürnberg. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller sagte, die Delphinarium Münster GmbH, die das Gebäude im Allwetterzoo gepachtet habe, quäle die fünf Delfine durch die Haltung in den Betonbecken, die zu klein für die Tiere seien.
Jahresbilanz 2007 untersucht
Ortmüller behauptet, dass eine Schließung des Delfinariums wirtschaftlicher für den Allwetterzoo sei als eine Fortführung des umstrittenen Betriebs.
Zu diesem Schluss ist Ortmüller gekommen, nachdem er die Jahresbilanz 2007 des Allwetterzoos selbst untersucht hat.
Unterschriften hat das WDSF vor Ort nicht gesammelt, Ortmüller sagte, dass Unterschriftenlisten auf der politischen Ebene in Berlin nicht sonderlich effektiv seien---.
Die Delfinschutz-Demonstrationen "Zoo ohne Delfine" am Samstag, den 18. Juli 2009 in der Münsteraner Innenstadt und am Sonntag, den 19. Juli 2009 vor dem Duisburger Zoo von WDSF und ProWal waren ein voller Erfolg für die Delfine. Wir bedanken uns sehr herzlich bei den vielen Helfern, bei der Bevölkerung und den Sponsoren in Münster und Duisburg für ihre Mithilfe, Aufmerksamkeit und Verständnis für unseren Protest gegen die Gefangenhaltung der Delfine in den kleinen Betonbecken der Zoos.
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Delfine gehören nicht in kleine Betonbecken
Presseberichterstattung Münster:
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Muenster;art993,616029
http://www.echo-muenster.de/node/53191
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/hohenlimburg/2008/10/3/news-81073488/detail.html
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Muenster;art993,287736
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Muenster;art993,336450
http://www.echo-muenster.de/node/46341
http://www.echo-muenster.de/node/34264
Pressemitteilung vom 17.04.2009:
Eklat in Berlin
Münsteraner Zoodirektor lässt Bundestagsfraktionsgespräch mit WDSF-Chef platzen
(Berlin/Hagen-Westf.) Anlässlich eines bereits im letzten Jahr vorbereiteten Antrags der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen an den Bundestag „Die Gefangenschaft von Delfinen unverzüglich beenden“ hatte die parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Undine Kurth, den Zoodirektor des Allwetterzoos Münster, Jörg Adler, Mitglieder der Münsteraner Grünen und den Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) aus Hagen-Hohenlimburg, Jürgen Ortmüller, am Donnerstag (16.4.09) zu einem gemeinsamen Gespräch nach Berlin eingeladen.

(Undin Kurth, parl. Geschäftsführerin und J. Ortmüller WDSF)
Kurz vor der geplanten Aussprache weigerte sich Zoodirektor Jörg Adler an dem Gespräch teilzunehmen, solange der WDSF-Chef dabei sei. Das WDSF kritisiert seit längerem die Delfinhaltung in den engen Betonbecken im Allwetter Zoo und bemüht sich mit Unterstützung der Grünen-Bundestagsfraktion, die drei verbliebenen Delfinarien in Münster, Duisburg und Nürnberg zu schließen, nachdem bereits sechs Delfinarien bundesweit die Haltung der intelligenten Meeressäuger aus Artenschutzgründen aufgegeben haben. Erst im vergangenen Jahr hatte der Heide-Park Soltau seine Delfinhaltung auf Druck der Tierschützer eingestellt und mitteilen lassen, dass der Vergnügungspark-Betreiber die Positionen des WDSF dahingehend mitträgt, dass Delfine sich nicht den biologischen Bedürfnissen entsprechend in Gefangenschaft halten lassen.
Der Zoodirektor aus Münster ließ sich auch nicht von der Grünen-Geschäftsführerin überreden, das für die Entwicklung des Zoos wichtige Gespräch mit allen Beteiligten gemeinsam zu führen. So kam es zu einer getrennten Aussprache mit den eingeladenen Gästen. Inhaltlich gab es keine Übereinstimmung der gemeinsamen Forderung der Bundes-Grünen mit dem WDSF gegenüber dem Zoo-Chef, das Delfinarium in Münster mittelfristig auslaufen zu lassen, da eine Auswilderung aufgrund der langen Gefangenschaft und der Nachzuchten ausscheidet.
Undine Kurth äußerte gegenüber dem WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller völliges Unverständnis für die ablehnende Haltung des Münsteraner Zoo-Direktors Jörg Adler. Auch die Haltung der Grünen aus Münster, die in Berlin zwar ein Gespräch mit dem WDSF-Chef nicht gescheut hätten, sich aber für das Delfinarium im Allwetterzoo einsetzen, erntete auf Bundestagsfraktionsebene nur Kopfschütteln.
Aufgrund eines vorgelegten Steuerberater-Gutachtens für das Fraktionsgespräch in Berlin hatte das WDSF auf der Basis der Wirtschaftsprüfer-Bilanz für den Allwetter Zoo festgestellt, dass der Zoo alljährlich rund 80.000 Euro sparen könnte, wenn die Delfinhaltung eingestellt würde, da der Zoo im Jahr 2007 per Saldo 742.800 Euro an das eigenständige Delfinarium abgeführt hat und bei einer Schließung Einnahmeausfälle von lediglich 663.000 Euro bei einem Durchschnittserlös pro Besucher von 4,42 Euro (lt. Bilanzangabe 2007) und rund 150.000 Besuchern des Delfinariums (lt. Angabe des Zoos) zu erwarten seien.
Der Allwetterzoo hat in den vergangene Jahren jeweils Zuschüsse der Stadt Münster zwischen 3,2 Mio. und über 4 Mio. Euro erhalten, um die jährliche Verlustsituation abzudecken. Durch die Konzentration der Zoo-Konkurrenz in Nordrhein-Westfalen gerät der Allwetterzoo immer weiter in die roten Zahlen.
Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen in Berlin kündigte an, den Antrag nun unverändert mit dem Ziel der Schließung der Delfinarien und dem Verbot eines Imports der Meeressäuger in den Bundestag einzubringen.--
LVM-Versicherungszentrale stimmt WDSF-Delfinschützern zu und entfernt Logo von Delfinarium-Internet-Seite des Allwetterzoos Münster

(Hagen/Münster 04.05.2009) Die gemeinnützige Organisation „Wal- und Delfinschutz-Forum“ (WDSF) mit Sitz im westfälischen Hagen war bereits im letzten Jahr zusammen mit dem Delfinschützer Andreas Morlok, Buchautor zum Thema Wale und Delfine, in die Schlagzeilen geraten, als sie zum Boykott des Besuchs des Münsteraner Delfinariums im Allwetterzoo aufrief. Das Delfinarium sei mit seinen Betonbecken viel zu klein für die fünf intelligenten Meeressäuger, die in Freiheit täglich über 100 Kilometer zurücklegen könnten und sich den engen Platz in den Becken mit sechs kalifornischen Seelöwen teilen müssten (Bild: Jürgen Ortmüller und Andreas Morlok vor dem Münsteraner Delfinarium im Allwetterzoo).
Als ein Kleinkind im Sommer während der vollbesetzten Vorführung beinah in das Delfinbecken gefallen war, stellte der Geschäftsführer des WDSF, Jürgen Ortmüller, Strafanzeige wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen.
Gegen den Hauptsponsor des Zoos, den Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster (LVM), der auf der Internetseite des Allwetterzoos und des Delfinariums mit seinem Logo wirbt, hatte das WDSF zusammen mit den Wal- und Delfinschützern Morlok und dem Leverkusener Norbert Kochhan und seinem Team eine bundesweite Kampagne angekündigt, wenn der LVM seine Unterstützung für den Zoo aufrecht erhalten würde. Mehrere Tausend Unterstützer der Delfinschützer sollten dabei helfen.
Die LVM-Versicherungszentrale in Münster teilte dem WDSF jetzt mit, dass sie dem WDSF in einem offenen Dialog zustimmt, dass „gewichtige Gründe gegen das Betreiben von Delfinarien sprechen“. Die Lösung der Probleme der Delfinarien sieht die LVM-Zentrale „in einer Veränderung der Willensbildung der politischen Parteien sowie einer Veränderung der Haltung der Bevölkerung“. Dort gelte es den Hebel anzusetzen, meint LVM-Pressesprecher Jobst Berensmann.
Der LVM folgt nun dem Vorschlag des WDSF, „das Logo des LVM auf der Homepage des Allwetterzoos Münster von der Delfin-Internetseite zu entfernen“. Zusammen mit den anderen Zooförderern sollen die Logos statt wie bisher auf allen Seiten nur noch an einer Stelle zu finden sein, aber eben nicht mehr auf den Seiten des Delfinariums, so der LVM.
WDSF-Geschäftsführer Ortmüller sieht den Rückzug der Internetdarstellung und die Kritik des LVM an der Delfinhaltung als weiteren Erfolg auf dem Weg, die drei von neun verbliebenen Delfinarien in Münster, Duisburg und Nürnberg wegen der Tierquälerei an den Meeressäugern zu schließen.
Der Freund - - (Eine Geschichte von Dr. Ralf Henrichs - Herr Henrichs arbeitet als Fraktionsgeschäftsführer bei der Ratsfraktion Die Linke. in Münster)
"Meine Welt ist klein, zu klein. Dabei war sie es nicht immer. Doch, ich erinnere mich. Es war schön früher, wenn ich durch das Wasser schoss. Nach oben springend und nach unten tauchend. Tief tauchend. 500 Meter und doch stieß ich an keine Balken. Die Welt stand mir offen. Nicht, dass ich dies geschätzt hätte. Ich kannte es nicht anders, niemand kannte es anders. Wenn ich mich unterhielt mit meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Kameraden war das nie Thema. Wie sollte es auch? „Grenzen“ - hierfür hatten wir nicht einmal ein Wort.
Oh, sie bemühen sich hier. Ich bin sicher, sie mögen mich sogar. Das Wasser ist ideal für mich. Kennt ihr das, wenn etwas ideal ist? Nein? Habt ihr noch nie etwas ideales erlebt? Dann müsst ihr glücklich sein. Ideal ist fad, langweilig, immer gleich, ohne jegliche Überraschung. Wenn ich schwamm, durchaus 100 Kilometer am Tag, veränderte sich das Wasser, wurde salziger, kälter. Manchmal begegneten wir auch großen, hohen, majestätischen Tieren, mit einer Haut viel härter als der Beckenrand hier, die in gerader Linie unbeirrt ihre Bahnen zogen. Wir wollten mit ihnen spielen, aber sie reagierten nicht. Wahrscheinlich waren sie blind. Manchmal glitt hinten raus eine merkwürdige Flüssigkeit, die sicherlich nicht gesund war. Wie sehr vermisse ich diesen Geschmack! Wie ich etwas vermissen kann, was mir nicht gut tut? Ja, könnt ihr das nicht verstehen? Es war draußen! Es war in Freiheit! Es war dort, wo ich glücklich war! Es war ungesund und gefährlich und wir haben es alle gehasst und sind schnell davon weg geschwommen, aber es war der Geschmack vom Leben. Auch wenn er ungesund war. Hier ist nichts ungesundes. Hier ist kein Leben.
Ob ich einsam bin? Ich weiß es nicht. Es ist nicht die Einsamkeit, die ich beklage. Um mich herum sind drei meiner Art. Manchmal höre ich auch von ferne Geräusche, die von vielen Menschen zu kommen scheinen. Was sie wollen ist mir unklar. Aber ist das alles? Drei meiner Art und immer die gleichen drei. Eine Schicksalsgemeinschaft in der Gefangenschaft. Niemand von meinen Eltern, Geschwistern, Freunden. Und manchmal waren es unzählige, vielleicht 1.000. Und man traf immer wieder welche, von denen man glaubte, man hätte sie aus den Augen verloren. Dann kamen sie zurück und hatten – und hatten... Ich mag nicht darüber reden.
Aber ich will ehrlich sein. Ich will euch alles sagen und da gehört auch dies dazu. Sie hatten Kälber. Was für ein Erlebnis war es, wenn die Mutter mit ihrem ersten Pfiff ihre Erkennungsmelodie an ihr Junges weitergab! Wird jemals jemand meinem Pfiff so lauschen? Hier gab es noch kein Kalb in all den langen Jahren nicht. Ich werde nie ein Kalb gebären, werde nie fühlen, wenn sich Leben in mir regt. Kein Leben außerhalb von mir. Kein Leben in mir. Kein Leben. Nirgends.
Ob ich Kälber wollen würde? Wie sollte ich keine Kälber wollen? Wie sollte ich Kälber wollen? Kann ich ihnen diese sterile enge Welt antun? Ich würde wollen, dass sie glücklich sind. Aber wie könnten sie hier glücklich sein. Könnten sie es, wenn sie nichts als diese leblose Enge kennen würden? Wenn sie nichts von der Tiefe, den 1000 Artgenossen wissen würden? Man kann sich an alles gewöhnen. Und sie müssten sich noch nicht einmal an etwas gewöhnen.
Nein, aufgegeben habe ich mich nicht. Ich spiele weiter und die Menschen freut es. Es ist der einzige Spaß, den ich habe. Und sie ernähren mich ja auch gut. Ein immer gedeckter Tisch. Sorgen um die Nahrung brauche ich mir nicht zu machen. Aber mir fehlt auch die Jagd. Es ist herrlich, wenn die ganze Schule als einer Art Kooperative, einen Fischschwarm umkreist, wenn wir die Angst in deren Augen sehen, unsere Macht und Einheit feiern und dann endlich zupacken, um unseren Hunger zu stillen. Verachtet ihr mich jetzt? Wusstet ihr denn nicht, dass ich kein Spielzeug sondern ein Raubtier bin?
Habt ihr nicht eure Mythen, in denen ihr mich verehrt? Ist dies Becken, diese Zurschaustellung euer Zeichen von Ehrerbietung. Nun, auf diese Ehre kann ich gern verzichten.
Warum lasst ihr uns nicht einfach in Ruhe? Was wollt ihr eigentlich im Ozean? Das ist nicht eure Welt. Das ist unsere Heimat. Wir gehen ja auch nicht aufs Land. Wie würde das auch aussehen? Aber sieht es besser aus, wenn ihr euch im Schwimmen versucht? Gewiss nicht.
Ach so, ich habe mich gar nicht vorgestellt. Verzeiht mir, aber man verlernt hier so einiges. Ich bin's, Flipper! Euer bester Freund.
Was tut ihr eigentlich euren Feinden an?"


