Untreue in 122 Fällen

27.01.2016 - Spenden für Delfintherapie in großem Umfang veruntreut (Kölner Stadtanzeiger)

Vorbericht aus 2006: Hausdurchsuchung bei „dolphin kids“

(28.01.2016) - Nachdem die Kaufhof AG 200.000 Euro an den dubiosen Verein "dolphin kids" gespendet hatte und Revisoren des Konzerns bereits im Jahr 2003 Unregelmäßgikeiten festgestellt hatten, stellte die Kaufhof AG Strafanzeige. Die Vereinsvorsitzende von "dolphin kids", Gabriele Rossek, hatte daraufhin einen Insolvenzantrag gestellt. Das Bonner Landgericht verurteilte das Ehepaar Rossek jetzt – zehn Jahr später – zur gemeinsamen Zahlung von 121 391,53 Euro. Die Ehefrau haftet als Vereinsvorsitzende mit weiteren 66 798,48 Euro. Insgesamt sind es also knapp 190 000 Euro, die beide an den Insolvenzverwalter des Vereins zahlen müssen. Für die 13. Zivilkammer des Bonner Landgerichts steht außer Frage, dass die Eheleute sich hemmungslos an den Spendengeldern bedient haben.

Unter anderem auf Galas (ähnlich wie der Verein dolphin aid) mobilisierte sie zahlreiche prominente Unterstützer. Boxer Axel Schultz war unter anderem dabei, Kabarettistin Annette Frier, Tennisspielerin Anke Huber, Sänger Rainhard Fendrich, Moderatorin Britta von Lojewski und ihr Kollege Jörg Draeger sowie Big-Brother-Gewinnerin Alida Kurras. Als Schirmherrin wurde Corinna Prinzessin von Anhalt gewonnen. Der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers schickte ein Grußwort: "Der Verein hilft nicht nur den Kindern, ein Stück Lebensfreude zurückzugewinnen. Die Organisation ist auch ein Segen für die Eltern", wurde der CDU-Politiker auf der „dolphin“-Homepage zitiert.

Das Kinderhilfswerk verwendet nach Verhandlungen mit dem WDSF seit dem 14. April 2015 nach dem Ausstieg aus der Delfintherapie-Förderung nachfolgende Stellungnahme, die an alle Interessenten einer Delfintherapie lt. Angaben des Vorsitzenden Dr. Kindermann versandt wird:

Foto: privat WDSF-Copyright

Die Delfintherapie ist wissenschaftlich und medizinisch nicht anerkannt und kann im Umgang mit den Delfinen, die auch in Gefangenschaft Wildtiere bleiben, lebensgefährlich sein (s. Kurzfilm und Berichte). Die Delfine werden für die Delfin-Therapie missbraucht und leiden in Gefangenschaft. Lesen Sie dazu unten auch die Stellungnahme des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. und des Logopäden/Meeresbiologen Norbert Kochhan.

DelfintherapieDie Eltern von behinderten Kindern greifen verständlicherweise nach jedem Strohhalm, um ihren Kindern zu helfen. Viele Eltern verschulden sich hochgradig, da Krankenkassen die Kosten einer Delfintherapie i.d.R. nicht übernehmen. Das bestätigte uns auch der Bundesverband autismus Deutschland e.V..

Spendenaktionen, die von den Medien meist begleitet werden, erwirtschaften nur einen Teil der immensen Kosten. Durch die Medienveröffentlichungen über Spendenaktionen setzen sich die betroffenen Eltern oft selbst unter Druck, die geplante Maßnahme einer Delfintherapie kurzfristig durchzuführen. Den größten Teil der Kosten müssen die Eltern aber meist aus eigener Tasche tragen. Der Bundesfinanzhof als höchste Instanz für das Steuerrecht hat eine steuerliche Berücksichtigung der Therapiekosten mit der Begründung abgelehnt, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass die Therapie einen medizinischen Erfolg erbringt. Dolphin.aid kassiert nach uns vorliegenden Informationen 2 % der Teilnahmegebühr und vermutlich auch an der Vermittlung von Unterkünften. Eine Verzinsung der langjährig auflaufenden Spendenbeträge zugunsten betroffenener Eltern gibt es nicht (s.u. Stellungnahme Betroffener zu dolphin.aid).

Aus einem Spiegel-Artikel:

"Argumentationshilfe für die Delfinariumsgegner könnte nun jedoch von dritter Seite kommen. Experten wie Dietmar Todt, Leiter des Berliner Instituts für Verhaltensbiologie, halten es für "extrem bedenklich, das, was in Meeres-Freigehegen unter optimalen Bedingungen stattfindet, in Delfinarien nachzumachen". Solange niemand wisse, woher der angebliche Heilungseffekt kommt, würden bei den Patienten völlig falsche Hoffnungen geweckt, sagt Todt, der im israelischen Eilat den Effekt des Delfinultraschalls erforscht. "Wer sagt, wir brauchen Delfine für eine Therapie, instrumentalisiert die Tiere." Auch der Berliner Psychologe Rainer Brockmann, Fachmann in Sachen tiergestützter Psychotherapie, hält das Projekt in Nürnberg (Anm. Delfintherapie) für überflüssig. "Forschungen mit Delfinen haben in unserem Lebensraum keinerlei Perspektive", empört sich der Psychologe. Die "Eisbrecherfunktion", die den Delfinen beim Umgang mit kontaktgestörten Menschen nachgesagt wird, sei bei landestypischen Vierbeinern, die auf dem Trockenen leben, längst gut belegt. Wenn es den Sonderpädagogen um neue Erkenntnisse in der Mensch-Tier-Begegnung gehe, rät Brockmann, sollten es die Würzburger doch "erst einmal mit Hunden, Katzen oder Pferden" versuchen.

Krankheiten durch das Schwimmen mit Delfinen

Infektionen

Es ist mehrfach wissenschaftlich bewiesen, dass duch das Schwimmen mit Delfinen Bakterien auf den menschlichen Körper übertragen werden und schwere Krankheiten auslösen können.
Kronen-Zeitung vom 22.04.2015:
"Einmal im Leben gemeinsam mit Delfinen zu schwimmen steht für viele Menschen ganz oben auf der Wunschliste. Doch für die Tiere ist die Haltung in den winzigen Becken der Delfinarien eine Qual. Wie der Dokumentarfilm "The Dark Secrets Surrounding Dolphins" jetzt aufdeckt, birgt das Schwimmen mit den Meeressäugern auch noch große gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier.

Küsschen und "Flosse geben", Menschen im Kreis durch das Becken ziehen - für Dutzende Delfine auf der ganzen Welt ist das "Arbeitsalltag". Den Besuchern bleiben Erinnerungsfotos, die Tiere fristen ihr Dasein in einer nicht artgerechten Umgebung. Doch nur wenige wissen, wie gesundheitsgefährdend das Schwimmen mit Delfinen eigentlich sein kann - und zwar für Tier und Mensch. Diese Tatsache deckt der Dokumentarfilm "The Dark Secrets Surrounding Dolphins" ("Die dunklen Geheimnisse, die Delfine umgeben") jetzt auf.

Meeresbiologin Naomi Rose meldet sich in dem Film zu Wort: "Ich finde es dumm, das Schwimmen mit Delfinen überhaupt zu erlauben, denn es ist einfach nicht sicher. Tatsache ist, dass bereits zahlreiche Menschen dabei verletzt worden sind." Und auch hygienisch sei das Angebot bedenklich, so Ex-Delfintrainer Russ Rector: "Ein Delfin uriniert und kotet drei- bis fünfmal häufiger als der Mensch. Die Tiere schwimmen also quasi in ihren eigenen Fäkalien und dem Wasser muss deswegen viel Chemie zugesetzt werden." Doch das zeigt nicht immer Wirkung, und vor allem die Delfintrainer, aber auch Besucher erkranken aufgrund schädlicher Bakterien im Wasser.

Mensch und Tier können schwer erkranken

Nicht nur sterben nachweislich immer wieder Delfine an Infektionen, bedingt durch die teils sehr schlechte Wasserqualität. Auch Menschen, die das Wasser verschlucken oder kleine Wunden an der Haut haben, nehmen Bakterien und Viren auf. Dazu kommt, dass die Besucher die Meeressäuger mit Krankheiten anstecken können - und umgekehrt. Dabei handelt es sich etwa um Tuberkulose, Pilzinfektionen, Bronchitis, Bindehautentzündung und Leptospirose. Methoden wie die Zwangsfütterung, um die Tiere am Leben zu erhalten, seien überdies keine Seltenheit, so Tierschützer.

Delfinarien vertuschen Verletzungen an Besuchern

Dazu kommt das Risiko, von einem Delfin verletzt zu werden. Der erzwungene enge Kontakt zu Hunderten Menschen führt bei den Tieren zu massivem Stress, der sie nicht nur krankheitsanfällig, sondern auch frustriert und teils aggressiv macht. Trainer und Besucher enden oftmals mit gebrochenen Fingern oder Rippen, blauen Flecken und Prellungen. Im Film werden Aufnahmen von kleineren Angriffen durch Delfinen gezeigt. "Solche Zwischenfälle werden den Behörden aber fast nie gemeldet. Das liegt wohl auch daran, dass die Delfinarien den Opfern Geld anbieten, wenn sie schweigen", so Meeresbiologin Naomi Rose. "Echte Tierfreunde können auf einen solch zweifelhaften 'Spaß' gut und gerne verzichten", fasst "Krone"-Tierexpertin Maggie Entenfellner zusammen."

Film mit wissenschaftlichen Aussagen zur Bakterienübertragung beim Schwimmen mit Delfinen und den Gefahren bei der Delfintherapie (engl.) - Teil I
(Swimming With Dolphins, The Dark Secrets Surrounding Dolphins )

Film mit wissenschaftlichen Aussagen zur Bakterienübertragung beim Schwimmen mit Delfinen und den Gefahren bei der Delfintherapie (engl.) - Teil II
(The Truth Behind Swimming with Dolphins )

Wissenschaftsbezug

Die Whale and Dolphin Conservation (WDC) kommt in einer Studie  "Delfintherapie, eine Faktensammlung“ zu der Erkenntniss, dass eine Delfintherapie wissenschaftlichen Untersuchungen nicht standhält und medizinisch unwirksam ist, wie auch Die Welt ("Delfintherapie hält nicht, was sie verspricht") berichtete. Dr. Karsten Brensing von der WDC äußerte sich in einem Interview zu der Studie. Die sehr teure Behandlung zeige keine langfristigen Wirkungen bei den Patienten und die Delfine litten massiv unter der Haltung in den Aquarien, bilanzierte auch die Verhaltensforscherin Carola Otterstedt in Hamburg in dem Artikel von „Die Welt“.
PD Dr. Christian Schulze - WDSF-Foto
Der einem Hochschulprofessor gleichgestellte Privatdozent von der Ruhr-Universität Bochum, PD med. Dr. phil Christian Schulze,  schreibt zu der von der WDC kritisierten "Breitenbachstudie" in einer Rezension: "Allerdings weist die Untersuchung nicht unerhebliche, v. a. methodische Mängel auf, die aus wissenschaftlichem Fokus heraus nicht nur vermeidbar gewesen wären, sondern die in ihrer Kombination mit den in der Titelei genannten Sponsoren den Verdacht der Auftragsarbeit nicht ganz entkräften können. … Die wohl gravierendste Kritik an der Studie ergibt sich aus methodischen Gründen.“

Krankenkassen gegen Delfintherapie

Die Krankenkasse AOK zur Delfintherapie: "...In einer aktuellen Veröffentlichung stellen die Wissenschaftler fest, dass bisherige Untersuchungen keine zuverlässigen Anhaltspunkte für den Nutzen der Delfintherapie hergeben. Andererseits gibt es vereinzelt Verletzungen der Kinder durch die Delfine, im übrigen sind die Kosten der Therapie sehr hoch. Da die Delfine (eigentlich wilde Tiere mit einem großen Bewegungsdrang/-radius) für diese Therapieform in Gefangenschaft gehalten werden, mehren sich auch Stimmen von Tierschutzorganisationen, die sich gegen dieses Verfahren aussprechen. ..."

Christa Koch, Mutter eines kranken Kindes**: "Mein Sohn hat bis heute noch kein einziges mal "Mama" zu mir gesagt"

"Ich glaube, es wäre für einige Eltern ein großer Vorteil, wenn sie ihre Energie nicht in einen Spendenmarathon stecken würden, sondern einfach mit den Kindern privat in einen Urlaub ohne Delphine starten würden. Dieselbe Energie die sie für die Organisation der Therapie aufwenden, könnten sie einfach in ihre eigene Familie stecken mit ebenfalls großem Erfolg für ihre Kinder. Das kann ja nicht sein, dass sie sich verschulden und aufreiben und sie kommen nach Hause und haben immer noch das kranke Kind und noch Ratenzahlungen dazu am Hals. Es gibt keinen einzigen Fall wo ein krankes, behindertes Kind gesund geworden ist und mein Sohn hat bis heute noch kein einziges mal "Mama" zu mir gesagt, obwohl er 2x eine solche Therapie hatte (Anm.: bei dolphin aid). Und wenn ich so alles zusammenrechne aus den letzten 15 Jahren - ohne Delphine - so kann ich nur sagen, dass er große Fortschritte gemacht hat, eben nur langsamer dafür aber dauerhaft."

* Die Begriffsverwendung "Mörder von Tierschutzrechten" wurde dem WDSF mit Gerichtsbeschluss des Landgerichts Hagen ausdrücklich gestattet
** Kontaktdaten der Mutter liegen dem WDSF vor

  • Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (2008)

    Auszug:

    Zusammenfassung zur Delphintherapie

    In einer ausgedehnten Literaturrecherche konnte – mit Ausnahme des Nachweises eines Effektes bei psychiatrisch kranken Erwachsenen - keine Arbeit gefunden werden, die objektiv einen positiven, der Delphin-Therapie im engeren Sinne zuzuordnenden Effekt bei behinderten Kindern beschreibt. Ein spezifischer Effekt des Delphins an sich konnte in der bisher veröffentlichten Literatur nicht bewiesen werden. Die Feststellung bezieht sich sowohl auf Kinder mit Bewegungsstörungen als auch mit psychiatrischen Erkrankungen. Am plausibelsten erscheint es immer noch, die „Delphin-Therapie“ als tiergestützte Erziehung / tiergestützte Pädagogik zu klassifizieren, wie sie Breitenbach et al. definierten (S. 13).

    Auch die beiden letzten Studien, die „Nürnberger-Studie“ und die von Frau Kohn / München, konnten diesen Beweis nicht antreten. Auch sie - wie zahlreiche andere Publikationen - konnte für das Kindesalter „nur“ feststellen, dass die Eltern ihre Kinder nach der Delphin-Therapie besser bewerteten. Der objektive Nachweis von auch längerfristig andauernden Zugewinnen wurde bisher nicht erbracht, auch wenn die Fremdbeurteilungen durch eine heterogene Gruppe von Therapeuten einen Zugewinn von Fertigkeiten dokumentierten.

    Die Delphin-Therapie kann daher nicht als eine neue wirksame Therapie angesehen werden. Es ist viel wahrscheinlicher, dass speziell von den Eltern beobachtete und erlebte / wahrgenommene Effekte dem Setting von spezifischen und unspezifischen Förderungsmaßnahmen (Urlaubssituation, starker und neuer Stimulus für das behinderte Kind und die Eltern, begleitende, allerdings intensivierte konventionelle „Rehabilitationstherapie“, Elterntreff im Sinne einer Selbsthilfegruppe, Angebot zur Hilfe bei der Bewältigung der Grundkrankheit des Kindes) zuzuordnen sind.