Die vor der Bauphase der "Delfin-Lagune" von Nürnberg in das holl. Delfinarium Harderwijk verbrachten Delfine
Anke, Nynke und Naomi sind dort lediglich "geparkt". Anke hatte am 15.10.2011 erneut eine Totgeburt,
nachdem sie am 18.03.2010 bereits ein Delfinbaby verloren hatte.
Nach Eröffnung der"Delfin-Lagune" im Jahr 2011 soll der Delfinbestand in Nürnberg lt. Zoo-Direktor Dag Encke wieder bis
auf 14 Delfine "aufgestockt" werden, wobei zusätzlich neben den täglichen Fütterungs-Shows ab 2012
die kommerzielle Delfintherapie (DAT) angeboten werden soll.
Da eine kommerzielle Verwendung der geschützten Großen Tümmler nach dem Bundesnaturschutzgesetz i.V.
mit den Eu-Vorschriften verboten ist,
wird das WDSF gegen die Delfintherapie auch juristisch einschreiten.
Der Tiergarten hat sich selbst über die Stadt Nürnberg Sondergenehmigungen ausgestellt,
nachdem das WDSF über das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gegen die DAT protestiert hatte.
WDSF-Protest zur Eröffnung der Steinbruch-Lagune
Hier ein weiterer Film aus der ZDF - mediathek: Umstrittene "Delfin-Lagune"
Steinbruch-"Delfin-Lagune" kritisch

Lks.: Andreas Morlok (ProWal) - Jürgen Ortmüller (WDSF) WDSF-Foto
WDSF: Vor Monaten forderten wir die Aufsichts-Behörden in Nürnberg auf, geeignete Maßnahmen zu veranlassen, um zu verhindern, dass Blätter, Äste oder Müll in die Becken gelangen, die die Delfine gefährden könnten. In der Vergangenheit verstarben im Nürnberger Delfinarium bereits Tiere an verschluckten amerikanischen Münzen. Die Regierung Mittelfranken verwies uns an das Umweltamt in Nürnberg und das wiederum an den Tiergarten. Keine der Aufsichtsbehörde legte jedoch dem Tiergarten Schutzauflagen für die Tiere auf. Die bisherigen Richtlinien seien ausreichend, schrieb der stellvertretende Tiergarten-Direktor Helmut Mägdefrau dem WDSF im Auftrag des Tiergartens. Noch vor der Eröffnung rutschten allerdings gleich mehrere Kubikmeter Erde in das ungesicherte Betonbecken.
Das alte Delfinarium ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Eine neue Traglufthalle über zwei der neuen Außenbecken, die mit Druckluft gehalten wird, sollte den Delfinen im Winter 2011/2012 als Rückzugsort dienen. Bis Ende des Jahres 2011 war diese Traglufthalle nicht installiert und die Meeressäuger wurden selbst bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius im Freien gehalten. Alternativ sollen die Delfine bei Frost wieder in dem alten Delfinarium untergebracht werden. Alles eine Billiglösung mit Risiken.
Sozialstruktur gestört
Die ursprünglich geplante Rückführung von drei im Delfinarium Harderwijk in Holland „geparkten“ weiblichen Nürnberger Delfinen wirft ein weiteres Problem auf. Die Tiere hätten eigentlich schon im Sommer 2011 an die Lagune gewöhnt werden müssen. Nachdem jedoch das ausgelagerte Delfinweibchen Anke am 15.10.2011 eine zweite Totgeburt innerhalb von zwei Jahren erleiden musste, wurden die Pläne geändert. Die jetzigen Nürnberger Delfine, die sich selbst noch gar nicht mit dem neuen Umfeld der Lagune vertraut gemacht hätten, könnten ggf. über die Weibchen aus Holland herfallen. Die soziale Struktur wäre massiv gestört und die Tiere könnten vermutlich nur getrennt voneinander gehalten werden, was die Tierschützer als klaren Verstoß gegen geltende Haltungs-Richtlinien erachten, da die Tiere immer Zugang zu allen Beckenbereichen haben müssten. Möglicherweise werden nach Schließung des Delfinarium Münster im Jahr 2012 von den dort vier eingesperrten Tieren auch ein Teil nach Nürnberg transferiert. Drei von den Münsteraner Delffinen waren erst im Herbst 2009 von Harderwijk nach Münster verfrachtet worden. Das Delfinkarussel dreht sich immer schneller, weil man nach 38 Todesfällen von Nürnberger Delfinen incl. etlicher Totgeburten immer noch hofft, dass eine Nachzucht "auf Teufel komm raus" funktioniert.
Schon mehrmals wurde das Nürnberger Delfinarium ausgebaut und immer hatte man die Hoffnung, dass die Zucht dann funktioniere. Leider blickt der Tiergarten auf 38 vorzeitig verstorbene Delfine zurück, davon alleine neun Delfinbabys in den letzten sieben Jahren. Nicht eine einzige Nachzucht überlebte. Insgesamt wurden 16 Totgeburten und verstorbene Delfin-Babys verzeichnet.
WDSF und ProWal empfinden es ebenfalls als Nötigung, dass die Besucher des Tiergartens gezwungen würden, für die Kosten der Delfinlagune aufzukommen. Zwei Drittel der bisherigen Besucher wollten die Delfinshows lt. Umfragen bisher nicht sehen und hatten bisher keinen zusätzlichen Eintritt für das Delfinarium bezahlen müssen. Das ändere sich nun, wenn alle Tiergarten-Besucher statt bisher 9,50 Euro nun 13,50 Euro inklusive Delfinarium bezahlen müssten.
Delfinarien sind Auslaufmodelle
Nach den langen Jahren erfolgloser Zucht fordert das WDSF, dass die Delfinhaltung endlich aufgegeben wird. Seit 40 Jahren Zuchtbemühungen gibt es in Europa keinen einzigen Delfin, der in dritter Generation überlebt hat. Weitere Wild-Importe von Delfinen sind zu befürchten. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Die Zeichen der Zeit stehen auf Schließung aller Delfinarien – sie sind Auslaufmodelle. Wir lehnen diese Anlagen auch ab, weil klar geworden ist, dass Zoos keinen Beitrag zur Arterhaltung von freilebenden Delfinpopulationen leisten können. Noch nie wurde ein Delfin aus einem Delfinarium in Europa wieder ausgewildert. Einen angeblichen Zoo-Bildungsauftrag auf Kosten von kostbaren Delfinleben zu erfüllen, ist makaber. “


