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11.02.2018 - WDSF-Tierschutzorganisation kritisiert Tiergarten Nürnberg wegen geschönter Besucherzahlen und fordert Beendigung der Delfinhaltung (MND)

Nuernb. Demo (WDSF-Foto)WDSF (16.03.2018) Tiergarten Nürnberg erhöht drastisch Eintrittspreise wegen anstehender Sanierung - Besucherzahlen bisher geschönt

Alleine die seit Jahren anstehende Sanierung der Steinbruch- "Delfinlagune" wird nach Angaben von Bürgermeister Christian Vogel vermutlich über 9 Millionen Euro verschlingen. Das WDSF geht davon aus, dass sich die Sanierungskosten der Delfinanlage nach dem verheerenden Salzwasserschaden auf mehr als 10 Millionen Euro belaufen werden. Damit erreicht die "Delfinlagune" mit den ursprünglichen Baukosten von 31 Millionen Euro eine Bausumme von über 40 Millionen Euro. Bisher schon wurde der Tiergarten jedes Jahr im Millionenbereich von der Stadt Nürnberg subventioniert. Der Bürger zahlt demnach den wesentlichen Teil der Kosten für ein völlig unsinniges Projekt.

Tiergartendirektor Dag Encke: "Für Delfinarien stellt sich nicht mehr die Frage, ob Delfine in Menschenhand gehalten werden dürfen, sondern welche Delfine in Menschenhand gehalten werden müssen, wenn wir nicht eine Art nach der anderen verlieren wollen."

Diese Aussage ist nach Ansicht des WDSF ein völliger Ausdruck der Hilfslosigkeit des Tiergartendirektors, nachdem die Delfinhaltung der Großen Tümmler seit Jahrzehnten in der Kritik von Tierfreunden und Tierschutzorganisationen steht. Diese Delfinart ist trotz hoher Beifangraten in der Fischerei nachweislich nicht vom Aussterben bedroht. Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Haltung von Tieren in Zoos ist jedoch nach der EU-Richtlinie die Arterhaltung einer Spezies. Encke hat wohl begriffen, dass die Haltung von Großen Tümmlern demnach nicht der EU-Zoorichtlinie entspricht und will zukünftig offenbar auf andere bedrohte Arten bei der Gefangenschaftshaltung von Delfinen ausweichen.

Eine tödlich endende Fangaktion zur angeblichen Rettung der weltweit verbliebenen rund 30 Vaquitas (Schweinswal) mit Beteiligung des Nürnberger Tiergartens hatte erst kürzlich weltweit für Empörung gesorgt (http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/schwerer-ruckschlag-vaquita-starb-nach-dem-fang-1.6845556).

Im Vorfeld der Rettungsaktion hatte Lorenzo von Fersen vom Tiergarten Nürnberg eingeräumt, dass eventuell die kleinen Schweinswale beim Fang sterben könnten. Doch dieses Risiko müsse man eingehen, um die letzte Überlebenschance der seltenen kleinen Schweinswal-Art zu wahren, sagte von Fersen.

Welch eine infantile Einstellung! Bei einem Restbestand einer Spezies von nur noch etwa 30 Säugetieren wie dem Vaquita hätte schon vor Jahren alles dafür getan werden müssen, dass der durch die Fischerei bedrohte Schweinswal überlebt. Die Gefangenschaftsnahme ist kläglich gescheitert und hat zur Reduzierung der Spezies erheblich beigetragen. Alternativ müsste ein streng reglementiertes Schutzgebiet für die Vaquitas in ihrem natürlichen Lebensraum eingerichtet werden.

Das jetzige Vorgehen der gescheiterten Rettungaktion hat die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) veranlasst, für die Zukunft einen Kriterienkatalog zu entwickeln, ab wann man Individuen einer gefährdeten Tierart aus der Natur herausnehmen müsse, um sie für die Erhaltungszucht zu nutzen.

Dazu gehören sicherlich nicht die im Tiergarten zur Belustigung der Besucher gehaltenen Großen Tümmler von denen 33 Tiere überwiegend vorzeit verstorben sind. Insgesamt beläuft sich die Todesrate auf 37 Delfine vom Fötus bis zum Greis. Von den 22 Delfinen, die seit 1971 in Nürnberg auf die Welt kamen, sind mittlerweile 17 tot (http://www.zeit.de/2015/04/delfine-tierschutz-delfinarium-nuernberg).

Durch die Eintrittspreiserhöhung wird der Tiergarten vermutlich wie nach der letzten Preiserhöhung weitere Besucher verlieren. Von 8.192.669 € Eintrittseinnahmen im Jahr 2011 sind diese im Jahr 2016 auf 7.269.018 € gesunken wie die Stadtkämmerei dem WDSF jetzt mitteilte (in Klammern die vom Tiergarten veröffentlichten Besucherzahlen):

2011: 8.192.669 € (1.223.304 - Eröffnung „Delfin-Lagune“)
2012: 7.901.830 € (1.095.481)
2013: 6.924.031 € (997.474)
2014: 7.448.956 € (1.071.754)
2015: 7.856.117 € (1.124.737)
2016: 7.269.018 € (1.087.360)

(WDSF 20.01./11.02.2018) Im Jahr 2017 wären es 1.135.515 Besucherinnen und Besucher im Tiergarten gewesen, verkündete Vize-Zoodirektor Helmut Mädgefrau bei der Vorstellung des Jahresberichts am 18.01.2018. Dabei verschweigt er wie in den Vorjahren, dass die Anzahl der Dauerkartenbesitzer, die 2017 um nochmals 10 Prozent gestiegen seien und damit 8.438 Dauerkarten erreichte, mit jeweils 30 Besuchen lt. einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bei der veröffentlichten Besucherzahl kalkuliert wurden. Bei einem Verkaufpreis von 65 Euro pro Dauerkarte bei einer 10%igen Steigerung der Dauerkartenverkäufe in 2017 beträgt die Zusatzeinnahme 52.910 Euro (814 neue Dauerkarten x 65 Euro). Wenn ein Dauerkartenbesitzer aber 30mal, wie vom Tiergarten kalkuliert lt. Artikel der Süddeutschen Zeitung, den Tiergarten besucht, sind diese Besuche aller etwa 8.438 Dauerkartenbesitzer von der veröffentlichten Zahl von 1.135.515 Besuchern mit einer Summe von fiktiven 253.140 Besuchen zu bereinigen, sodass nur noch 882.375 Besucher incl. Schulklassen und Ermäßigungsbesucher im Jahr 2017 statt der vom Tiergarten angegebenen Zahl von 1.135.515 Besuchern zutreffend wären zzgl. der tatsächlichen Dauerkartenbesucher, deren Besuchsvermutung durch eine Befragung des Tiergarten bei 30 Besuchen pro Jahr liegen soll. Wie oft genau allerdings ein Dauerkarten-Inhaber pro Jahr in den Zoo kommt, weiß nur er selbst, nicht aber der Tiergarten, da keine Drehkreuze mit einem Zählwerk vorhanden sind.

Auch die effektiven Einnahmen reduzieren sich durch Dauerkartenbesitzer, die einmalig 65 Euro p.a. bezahlen, wobei der Einzeleintritt eines Erwachsenen 13,50 Euro kostet. Dementsprechend zahlen 8.438 Dauerkartenbesitzer p.a. 548.470 Euro. Bei einem Einzeleintrittspreis wären bei 30 kalkulierten Besuchen der 8.438 Dauerkartenbesitzer Einnahmen von theoretisch 2.868.920 Euro zu erzielen gewesen (8.438 Dauerkarteninhaber x 30  Besuche x 13,50 Euro = 3.417.390 Euro abzüglich des Dauerkartenpreises von jeweils 65 Euro mit 548.470 Euro). Selbst bei nur 20 Besuchen wären dies theoretisch 2.277.180 Euro abzüglich des Dauerkartenpreises von insgesamt 548.470 Euro und demnach 1.728.710 Euro.
 
(WDSF-Ergänzung 14.02.2018) Am 14.02.2018 reagierte der Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel auf die WDSF-Pressemitteilung vom 11.02.2018 in der wir entsprechend der Medienveröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung von 30 kalkulierten Besuchen von Dauerkartenbesitzern ausgegangen waren und schrieb wie nachfolgend auf seiner Facebookseite, dass der Tiergarten aufgrund einer Befragung von jeweils 20 Besuchen der Dauerkarteninhaber ausgehen würde. Selbst bei 20 kalkulierten und nicht nachgewiesenen Besuchen wirken die vom Tiergarten angegebenen 1.135.515 Besuche für das Jahr 2017 nach wie vor geschönt und das wird der wesentliche Grund für die ab April 2018 geplante Eintrittspreiserhöhung sein. Vor der WDSF-Pressemitteiung vom 11.02.2018 hatte der Tiergarten eine offizielle Anfrage des WDSF vom 19.01.2018 nach der Aufschlüsselung der Besucherzahlen nicht beantwortet:
Christian Vogel TG Nurnberg Fb 14.02.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachfolgend die Kalkulation mit 20 unterstellten Besuchen pro Jahr pro Dauerkartenbesitzer wobei hierbei bei den Nettobesuchern noch nicht die freien Eintritte der Mitglieder des Fördervereins „Tiergartenfreunde Nürnberg e.V.“ berücksichtigt wurden. Bis Ende Dezember 2017 zählte der Verein 3.371 Mitgliedschaften (1.284 Familienmitgliedschaften, 1.422 Zwei-Personen-Mitgliedschaften, 597 Ein-Personen-Mitgliedschaften und 68 Kindermitgliedschaften) die über eine Dauerkarte verfügen. Insgesamt kalkuliert der Tiergarten bei den Fördermitgliedern 8.500 Einzelpersonen, deren Besuche in 2017 ebenfalls in die Anzahl der Besuche von 1.135.515 eingeflossen sind und das Gesamtbild von zahlenden Besuchern verfälschen.

2014: 1.071.754 (incl. 6.530 Dauerkartenbesitzer mit 130.600 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 941.154)
2015: 1.124.737 (incl. 7.656 Dauerkartenbesitzer mit 153.120 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 971.617)
2016: 1.087.360 (incl. 7.624 Dauerkartenbesitzer mit 152.480 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 934.880)
2017: 1.135.515 (incl. 8.438 Dauerkartenbesitzer mit 168.760 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 966.755)

 

31.05.2017 - Vogel im Interview: "Tiergarten hat eine hohe Akzeptanz" (nordbayern) und Lügen über Lügen

(WDSF - 20.01.2018) Der Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel behauptete in dem Interview mit nordbayern.de am 31.05.2017: "Mit der jetzt abgeschlossenen Sanierung des Delfinariums 2 ist das Ausweichquartier für Seelöwen und Delfine fertiggestellt."
Gegenüber dem Medium Mittelbayerische heißt es von Vize-Zoodirektor Helmut Mädgefrau am 18.01.2018 allerdings: „Das Thema Lagune wird uns noch Jahre beschäftigen“. Derzeit müsse noch untersucht werden, mit welchen Maßnahmen man die maroden Becken am besten wieder auf Vordermann bringen könne. Für die Delfine im Tiergarten werde derzeit noch das alte Delfinarium als Ausweichbecken saniert.

Demnach ist das Ausweichquartier im Januar 2018 für die Delfine und Seelöwen aufgrund der schon seit Jahren anstehenden Sanierung der Gesamtanlage nach einem katastrophalen Salzwasserschaden mit Kosten von voraussichtlich acht Millionen Euro im Gegensatz zur Aussage des Bürgermeisters im Mai 2017 immer noch nicht fertigstellt. Die Reaktivierung der Ausweichbecken im  alten Delfinarium 2 soll weitere 1,2 Millionen Euro verschlingen.

01.06.2017 - WDSF: "Delfine sind in Gefangenschaft vom Aussterben bedroht und Delfinarien sind Auslaufmodelle" (Presseportal)

33 verstorbene Delfine im Tiergarten Nürnberg (WDSF-Foto)(WDSF) Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel gibt in einem Interview mit "nordbayern" zu, dass die Sanierung der sog. "Delfinlagune" im Tiergarten aufgrund eines Salzwasserschadens noch etwa drei Jahre dauern wird und voraussichlich rund 6 bis 8 Millionen Euro kosten wird. Dazu kommen die Kosten der Wiederherstellung des alten Delfinariums 2 von rund 1,2 Mill. Euro, um die Tiere im Notfall dort während der Sanierungsphase unterbringen zu können. Damit erreicht die "Delfinlagune" mit den ursprünglich Baukosten von 31 Millionen Euro eine Bausumme von über 40 Millionen Euro. Da gegenüber den Baufirmen des Steinbruch-Delfinariums wohl kein Regress mehr geltend gemacht werden kann, wird die Kostenlast dem Bürger über den städtischen Etat auferlegt. Zusätzlich sind Erhöhungen bei den Eintrittsgeldern vorgesehen, so Vogel.

Dass manche Tiere eine längere Lebenserwartung als in freier Wildbahn hätten, wie Vogel behauptet, sagt rein gar nichts über das Wohl der Tiere aus und trifft definitiv nicht auf die Delfinhaltung weltweit zu. Solche Aussagen werden immer wieder als Rechtfertigungsgrund für die Gefangenschaftshaltung verwendet und sind noch nie belegt worden. Tatsächlich verstarben in Nürnberg bisher 33 Große Tümmler. Alleine zwischen 2004 und 2007 sind in Nürnberg sieben Kälber in Folge gestorben. Dass den Nürnberger Delfinen Unmengen an Psychopharmaka verabreicht wurde und über 30 andere Medikamenten in einem 4 1/2-jährigen Zeitraum wird wohlweislich verschwiegen. Große Tümmler haben in freier Wildbahn lt. NOAA (National Marine Fisheries Service) eine Lebensspanne von rund 40-50 Jahren. In Gefangenschaft erreichen Delfine ein weitaus niedrigeres Alter, wobei im Duisburger Zoo die Sterblichkeitsrate der Nachzuchten (incl. 5 Aborte) bei 75,2 Prozent und in Nürnberg bei 90 Prozent liegt. Von 29 Nachzuchten haben seit 1978 in Duisburg lediglich acht Tiere überlebt. In Nürnberg haben von 19 Nachzuchten nur zwei überlebt. In freier Wildbahn wären die Delfine bei solch hohen Sterberaten vom Aussterben bedroht. Tatsächlich sind allerdings die Delfine in Gefangenschaft vom Aussterben bedroht.

Vogel spricht davon, dass das am 06. Mai 2017 in Frankreich verabschiedete Gesetz, welches die Haltung, die Nachzucht und den Import zukünftiger Delfine verbietet und umfangreiche Auflagen bei der derzeitigen Haltung vorsieht, "juristisch nicht haltbar" sei, weil es dahingehend widersprüchlich sei, dass die Weibchen gequält würden, da sie keinen Nachwuchs mehr bekommen dürften. Dabei verschweigt Vogel, dass die Delfinweibchen in Nürnberg während der Bauphase der "Delfinlagune" jahrelang die Antibabypille erhalten haben. Vogel in dem Interview: "Sollten sich die Franzosen durchsetzen, dann hätte es aber Auswirkungen auf ganz Europa." Genau so wird es sein, denn die französische Umweltministerin hat das Gesetz ja bereits in Frankreich durchgesetzt. Das WDSF wird bei der Bundesregierung und im Europäischen Parlament intensiv intervenieren, dass das vorbildliche französische Gesetz auch in anderen Ländern der EU Anwendung findet. Delfinarien sind Auslaufmodelle!

Zum RTL-Beitrag "Mario Barth deckt auf ..." bitte anklicken:

Freihheit für Flipper - RTL

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12.05.2017 - "Umstrittene Delfinzucht - Überleben die Meeressäuger in Gefangenschaft nur durch Medikamente?" (Bayerischer Rundfunk)

Radio-Beitrag des Bayerischen Rundfunk vom 12.05.2017 mit Interviews mit dem Nürnberger Tiergartendirektor Dag Encke und dem Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) Jürgen Ortmüller. In einer von dem Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten US-Forschungsarbeit heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist bezogen auf die Studie darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten werden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar sei.

Erwähnt wurde in dem Beitrag des Bayerischen Rundfunk auch das zukünftige Verbot in Frankreich, dass neue Delfine und Orcas zukünftig nicht mehr in Delfinarien gehalten werden dürfen, insbesondere auch aus dem Grund der Verabreichung von "Drogen". Dag Encke rechfertigt die Medikamentengabe in seinem Delfinarium mit dem Tierwohl.




19.01.2017 - Tiergarten Nürnberg setzt weiter auf Delfine (inFranken.de):

(WDSF/inFranken.de - 19.01.2017) "Ein Gesamtplan für die Gesamtsanierung (Anm.: der Delfinlagune) steht immer noch nicht fest", sagte Tiergarten-Direktor Dag Encke am Donnerstag auf Nachfrage. "Aufgrund der Komplexität der notwendigen Baumaßnahmen gibt es noch keinen Zeitplan." Die Kosten sowie die Dauer der geplanten Sanierung stünden ebenfalls noch nicht fest. Vor Gericht streitet die Stadt Nürnberg derzeit mit Baufirmen, die für die Baumängel der 2011 eröffneten Lagune verantwortlich sein sollen.

Die juristische Auseinandersetzung könne sich noch über viele Jahre hinziehen, sagte Encke. Direkt nach der Eröffnung hatte sich herausgestellt, dass die Becken bei normalem Wasserstand über eine Beckenfuge Wasser verlieren. Um das Leck zu schließen, wurde daraufhin der Wasserspiegel abgesenkt. Im letzten Jahr sei die genauso peinliche wie kostspielige Lücke am Beckenrand provisorisch geflickt worden. Eine Dauerlösung ist das freilich nicht.

Weiterhin Delfinhaltung

Regelmäßig sah sich der Tiergarten auch im letzten Jahr dem Protest von Tierschützern ausgesetzt. Besonders Delfinfreunde machten dem Zoo immer wieder schwere Vorwürfe. Encke betont, dass er sich weiterhin nicht von Delfin-Schützern in die Knie zwingen lassen wolle. "Wir betreiben eine gute Tierhaltung. Wir glauben, dass es den Delfinen bei uns gut geht", ist sich der Zoodirektor sicher. "So lange es uns gibt, gibt es Delfine", gibt sich Encke zuversichtlich."

"Größte Misserfolgsquote in Europa"

Das WDSF weist darauf hin, dass Tiergartendirektor Encke gegenüber der WELT/N24 gesagt hat: „Wir in Nürnberg hatten die größte Misserfolgsquote aller Delfinarien in Europa, das muss man ganz ehrlich sagen.“ Von 19 Nachzuchten in Nürnberg haben lediglich zwei Delfine überlebt (Noah und Naomi). Insgesamt verstarben 33 Delfine im Nürnberger Tiergarten.

Der Zoo habe sechs Kälber hintereinander verloren, während in Europa insgesamt die Population wachse. Zum europäischen Zuchtprogramm gehörten 34 Delfinarien mit 235 großen Tümmlern. Encke: „Wir konnten nicht erklären, warum es so schlecht lief, jedes Kalb ist aus einem anderen Grund gestorben.“

Kosten explodieren

Im Jahr 2011 wurde aufgrund der Eröffnung der "Delfin-Lagune" ein vorübergehender Aufschwung verzeichnet. Um die Annuität (Zins und Tilgung) des städtischen Darlehns von 20 Millionen Euro für den Bau der "Delfin-Lagune" mit über 31 Mill. Euro Gesamtkosten durch den Tiergarten zu bedienen, sind jährlich zahlende Besucher von 1.180.000 kalkuliert. Diese Anzahl wurde bisher in keinem der Jahre außer im Eröffnungsjahr 2011 erreicht. Darüber hinaus manipuliert der Tiergarten die erforderliche Besucherzahl durch Dauerkartenbesitzer, die gleichwohl allerdings durch den einmaligen Kaufpreis der Jahreskarte in Relation bedeutend weniger Geld einbringen, als die jeweils einzeln zahlenden Besucher. Die ab 2017 geplante Sanierung der Delfin-Lagune nach einem Salzwasserschaden aufgrund von Undichtigkeiten wird mdst. weitere 5 Mill. Euro verschlingen.


19.01.2017 - Tiergartenmitteilung 1/2017 - Ein wechselhaftes Jahr ist vorbei - Besucherrückgang von 37.377 Besuchern im Jahr 2016

Tiergarten: "Die Sanierung des Delphinariums II und der Beginn des Umbaus des alten Flusspferdhauses zu einem Wüstenhaus sind weiter wichtige Bau­maßnahmen, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Das Delphinarium II, das voraussichtlich im Frühjahr 2017 wieder in Betrieb genommen wird, ist eine Ausweichanlage hinter den Kulissen und umfasst zwei Becken mit 3,5m Tiefe und einer Oberfläche von 177m2 bzw. 78m2."

Besucher-Entwicklung (in den Jahren jeweils auf Seite 11 der pdf-Datei)
(incl. Dauerkartenbesitzer und ermäßgte Eintrittskarten) - Kalkuliert sind 1.180.000 zahlende Besucher pro Jahr, um den städtischen Kredit von 20 Millionen Euro für die Baukosten von insg. 31. Millionen Euro vollständig bedienen zu können. Diese Zahl wurde seit der Eröffnung der "Delfinlagune" im Jahr 2011 effektiv nie erreicht.


Die Besucher-Entwicklung (incl. Dauerkarten-Inhaber):

Jahr / Besucher
2005: 1.130.453
2006: 1.101.716
2007: 1.062.000
2008: 1.281.286 (Eisbären-Baby Flocke geboren)
2009: 1.039.115
2010: 933.107
2011: 1.223.304 (Eröffnung „Delfin-Lagune“)
2012: 1.095.481
2013: 997.474
2014: 1.071.754 (incl. 6.530 Dauerkartenbesitzer mit 130.600 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 941.154)
2015: 1.124.737 (incl. 7.656 Dauerkartenbesitzer mit 153.120 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 971.617)
2016: 1.087.360 (incl. 7.624 Dauerkartenbesitzer mit 152.480 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 934.880)
2017: 1.135.515 (incl. 8.438 Dauerkartenbesitzer mit 168.760 kalkulierten Besuchen - á 20 Besuche - Nettobesucher 966.755)


Anmerkung zu den geschönten Besucherzahlen incl. der Dauerkartenbesitzer

(WDSF - akt. 20.01.2018) Die ursprünglich kalkulierte Zahl von 1.180.000 zahlenden Besuchern, um alleine das städt. Darlehn von 20 Mill. Euro für die Baukosten der "Delfinlagune" von über 31 Mill. Euro zu bedienen, wurde in keinem Jahr seit Eröffnung der "Delfinlagune" im Jahr 2011 erreicht. Die erforderliche Sanierung des bisher stillgelegten Notfall-Delfinariums, das etwa 100 Meter von der "Delfinlagune" entfernt liegt, ist mit etwa 1,2 Mio. Euro kalkuliert und bis Anfang 2018 immer noch nicht vollzogen. Die vollen Sanierungskosten der "Delfinlagune" nach der Salzwasserkatastrophe im Jahr 2011 können bis zu 20 Millionen Euro betragen (Zitat aus der TV-Sendung "Mario Barth deckt auf" am 07.10.2015). Anfang 2018 war immer noch nicht absehbar, wann die vollständige Sanierung der "Delfinlagune" erledigt sein wird.
 
In den vom Tiergarten verkündeten "Besucherzahlen" für 2015 von 1.124.737 sind 7.656 Dauerkartenbesitzer mit einer Steigerung von 17% enthalten, die pro Jahr vom Tiergarten jeweils mit 30 Besuchen pro Jahr lt. einem Bericht der Süddeutschen Zeitung kalkuliert sind. Demnach sind in den Besucherzahlen für 2015 rund 229.680 theoretische Dauerkartenbesuche enthalten und bei angeblich 20 kalkulierten Besuchen insgesamt 153.120.
 
Im Jahr 2014 waren es lt. Angaben des Tiergarten insg. 1.071.753 Besucher. Da die Dauerkartenbesitzer im Jahr 2014 noch etwa 6.700 betrugen (in 2015 rund 17% mehr) mit 130.600  kalkulierten Besuchen (2015: 153.120) á 20 Besuche pro Dauerkartenbesitzer, beliefen sich die Besucherzahlen ohne Dauerkartenbesitzer im Jahr 2015 demnach auf etwa 971.000 und im Jahr 2014 auf rund 941.000 Besucher. Das sind etwa 30.000 Besucher im Jahr 2015 mehr als im Jahr 2014. Der Tiergarten spricht jedoch für 2015 von einem Besucherplus von 52.984 Besuchern, weil er seine Besucherzahlen mit den Dauerkartenbesitzern schönt.

Da bei den Besucherzahlen des Tiergartens auch Schulklassen und Ermäßigungskarten erfasst sind, ist die Anzahl der zahlenden Besucher, wenn überhaupt, nur geringfügig mit etwa 3 Prozent gestiegen; selbst wenn man die erhöhte Anzahl der verkauften Dauerkarten einbezieht. Tatsächlich hat der Tiergarten durch den Anstieg von rund 950 in 2015 mehr verkauften Dauerkarten in Relation zu bezahlten Einzelbesuchen der Dauerkartenbesitzer einen Verlust in Relation zu 2014 erzielt. Eine Dauerkarte kostet pro Jahr 65 Euro. Ein Einzelbesuch kostet 13,50 Euro und hätte bei den kalkulierten 20 Besuchen von zusätzlichen 950 Dauerkartenbesitzern insgesamt Einnahmen von 256.600 Euro erbracht. Der Verkauf von zusätzlich 950 Dauerkarten á 65 Euro hat jedoch nur 61.750 Euro erzielt. Selbst wenn man nur von 10 Besuchen pro Dauerkartenbesitzer ausgeht, hätten diese Einnahmen bei 128.250 Euro gelegen.

Das betriebswirtschaftliche Defizit des Tiergarten lag 2016 bei 3.610.000 Euro (s. S. 37 des Jahresberichts 2016) und somit zum Vorjahr 2015 um 473.000 Euro höher.
 
Besucherzahlen 2017 erneut geschönt*

Im Jahr 2017 wären es 1.135.515 Besuche im Tiergarten gewesen, verkündete Vize-Zoodirektor Helmut Mädgefrau bei der Vorstellung des Jahresberichts am 18.01.2018. Dabei verschweigt er wie in den Vorjahren, dass die Anzahl der Dauerkartenbesitzer, die 2017 um nochmals 10 Prozent gestiegen seien und damit 8.438 Dauerkarten erreichte, mit jeweils 30 Besuchen bei der veröffentlichten Besucherzahl lt. einem Bericht der Süddeutschen Zeitung kalkuliert wurden. Bei einem Verkaufpreis von 65 Euro pro Dauerkarte bei einer 10%igen Steigerung der Dauerkartenverkäufe in 2017 beträgt die Zusatzeinnahme 52.910 Euro (814 neue Dauerkarten x 65 Euro). Wenn ein Dauerkartenbesitzer aber 30mal, wie lt. Süddeutscher Zeitung vom Tiergarten kalkuliert, den Tiergarten besucht, sind diese Besuche aller etwa 8.438 Dauerkartenbesitzer von der veröffentlichten Zahl von 1.135.515 Besuchern mit einer Summe von 253.140 Dauerkartenbesuchern zu bereinigen, sodass nur noch 882.375 Besucher incl. Schulklassen und Ermäßigungsbesucher im Jahr 2017 statt der vom Tiergarten angegebenen Zahl von 1.135.515 Besuchern zutreffend ist zzgl. der tatsächlichen Dauerkartenbesucher, deren Besuchsvermutung durch eine Befragung des Tiergarten bei 30 Besuchen pro Jahr liegen soll. Wie oft genau allerdings ein Dauerkarten-Inhaber pro Jahr in den Zoo kommt, weiß nur er selbst, nicht aber der Tiergarten. Selbst bei 20 Besuchen pro Dauerkartenbesitzer wären die Besucherzahlen geschönt.

Auch die effektiven Einnahmen reduzieren sich durch Dauerkartenbesitzer, die einmalig 65 Euro p.a. bezahlen, wobei der Einzeleintritt eines Erwachsenen 13,50 Euro kostet. Dementsprechend zahlen 8.438 Dauerkartenbesitzer p.a. 548.470 Euro. Bei einem Einzeleintrittspreis wären bei 30 kalkulierten Besuchen der 8.438 Dauerkartenbesitzer Einnahmen von theoretisch 2.868.920 Euro zu erzielen gewesen (8.438 Dauerkarteninhaber x 30  Besuche x 13,50 Euro = 3.417.390 Euro abzüglich des Dauerkartenpreises von jeweils 65 Euro mit 548.470 Euro). Selbst bei 20 Besuchen liegt ein entsprechender Verlust in Relation des regulären Eintritspreises vor.
 

Offensichtliche Verstöße bei den Haltungsbedingungen der Delfine

Abgesenkter Wasserspiegel aufgrund der defekten Beckenfuge - WDSF-Foto Tiergarten Nürnberg(WDSF - 20.01.2017) Das WDSF wird bei den Aufsichtsbehörden gegen die offensichtlichen Verstöße intervenieren und beantragen, die Gesamtanlage zu schließen, zumal die Delfine unter den unabsehbaren Umständen leiden und die Vorschriften des Säugetiergutachtens nicht eingehalten werden.

1) Der Transfer von zwei Delfinen (Kai und Noah) im Jahr 2016 wegen der anstehenden Baumaßnahmen und aufgrund der Gefahr von Rangkämpfen in den Vergnügungspark Rancho Texas Park auf Lanzarote erscheint fraglich, weil es sich dort nicht um eine Zoohaltung handelt. Arnie wurde am 14.11.2016 in das Zoomarine - Mundo Aquatico in Guia an der Algarveküste transferiert

2) Die Aussage "Unsere Großen Tümmler können Wassertemperatur um die vier Grad eigentlich locker wegstecken", des stellvertretende Tiergarten-Direktors Helmut Mädgefrau entspricht nicht der Haltungsrichtlinie (Säugetiergutachten), weil dort vorgeschrieben ist, dass die Wassertemperatur nicht unter 10 Grad Celsius betragen darf.

3) Die Alternative, die Delfine derzeit wegen der Temperaturen und der anstehenden Baumaßnahmen im alten Delfinarium (mit Chlorbesatz) für die Shows zu halten und das Nebendelfinarium II sowie die Traglufthalle zu aktivieren verstößt ebenfalls gegen die Haltungsrichtlinie aufgrund der Unterschreitung der erforderlichen Größe und des Wasserinhalts für eine Haltung von mehr als 90 Tagen.

Es handelt sich offenbar nicht um eine vorübergehende Alternativunterbringung, da "ein Gesamtplan für die Gesamtsanierung immer noch nicht feststeht ... und es keinen Zeitplan gibt", lt. Tiergartendirektor Encke. "Die juristische Auseinandersetzung könne sich noch über viele Jahre hinziehen", sagt Encke. Die Lücke am Beckenrand sei provisorisch geflickt worden.

4) Die ursprünglich kalkulierte Zahl von 1.180.000 zahlenden Besuchern, um alleine das städt. Darlehn von 20 Mill. Euro für die Baukosten der "Delfinlagune" von über 31 Mill. Euro zu bedienen, wurde erneut nicht erreicht.

Es fehlen dem Tiergarten in jedem Jahr seit der Eröffnung der Delfinlagunge in 2011 Besucher, um die finanziellen Verpflichtungen aus dem Bau der Delfinlagune zu bedienen, die mit 1.180.000 Besuchern p.a. kalkuliert sind. Die Differenz muss in jedem Jahr von der Stadt Nürnberg aus Steuergeldern der Bürger durch Subventionen im Millionenbereich erbracht werden. Ebenfalls werden Preiserhöhungen nach Aussage von Tiergartendirektor Dag Encke nicht ausgeschlossen.

Showmätzchen in der "Delfinlagune"

(WDSF 2015) In der sog. "Delfinlagune" im Tiergarten Nürnberg finden inzwischen die gleichen Delfinshows wie in den viel kritisierten Delfinarien im Ausland (Beispiel: Türkei, Ägypten, Dubai etc.) statt. Delfintrainer lassen sich von Delfinen an der Rückenflosse (Finne) und mit den Schnauzen durch das Betonbecken ziehen.

In freier Wildbahn sind Verletzungen von Rückenflossen von Delfinen bei Treibjagden bekannt - ebenso in den katastrophal geführten Auslandsdelfinarien, wobei die Delfine dort häufig eine gekrümmte Rückenflosse aufweisen.

Der Duisburger Zoodirektor und Delfinarienbetreiber Achim Winkler in der NRW-Landtagsanhörung im Jahr 2014 zum Antrag des Verbots zur Haltung von Delfinen: "Es gibt auch solche Delfinarien, die wir als „Delfin-Shows“ bezeichnen. ... Sie entstehen in den Mittelmeergebieten. Das sind absolute Klitschen ohne jegliches Know-how über die Haltung dieser Tiere. Das ist verwerflich ohne Gleichen. Mit denen dürfen wir aber bitte schön nicht in einen Topf geworfen werden, denn mit denen haben wir nichts gemein." Weiter meint Winkler, dass in solchen touristischen Parks der Kommerz an erster Stelle steht.

Tatsächlich haben beide Delfinarien in Duisburg und Nürnberg allerdings vieles gemein mit den von Winkler kritisierten Delfin-Shows im Mittelmeerraum. In beiden deutschen Delfinarien werden die Delfine für Shows missbraucht. In Duisburg wird regelmäig ein Kleinkind während der Show in einem Boot von einem der Delfine bei hoher Geschwindigkeit durch das Beckenwasser gezogen und darf die Delfine anschließend mit den Händen betatschen. In Nürnberg reiten die sog. Delfintrainer auf den Tieren und lassen sich an der Finne und den Schnauzen durch das Becken ziehen. Lautstarke Musikveranstaltungen ergänzen fast jedes Jahr das Showprogramm in der Nürnerberger Delfinlagune:

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