(WDSF - 02.01.2018) Nach langen Jahren erfolgloser nachhaltiger Zucht und mehr als 100 verstorbenen Delfinen und Walarten alleine in den Zoos in Duisburg und Nürnberg fordert das WDSF, dass die Delfinhaltung in Deutschland und in der EU vollständig aufgegeben wird. Seit über 40 Jahren Zuchtbemühungen gibt es in Europa keinen einzigen Delfin, der ausgewildert wurde.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Die Zeichen der Zeit stehen auf Schließung aller Delfinarien – sie sind Auslaufmodelle. Wir lehnen diese Anlagen ab, weil klar geworden ist, dass Zoos keinen Beitrag zur Arterhaltung von freilebenden Delfinpopulationen leisten können. Noch nie wurde überhaupt ein Delfin aus einem Delfinarium in der EU wieder ausgewildert. Die Spezies des Großen Tümmlers (Tursiops truncatus) ist nicht gefährdet und es besteht kein Anlass einer künstlichen Populationserhaltung. Die wenigen gelungenen Nachzuchten können nicht ausgewildert werden, weil sie in Gefangenschaft das natürliche Nahrungs-Jagdverhalten nicht erlernt haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft deutlich niedriger als bei frei lebenden Delfinen. Trotzdem forcieren die Zoos ihre Zuchtbemühungen. Einen angeblichen Zoo-Bildungsauftrag mit über 100 verstorbenen Delfin- und Walarten zu erfüllen, ist makaber. In erster Linie geht es den verbleibenden Zoos mit Delfinarien in Duisburg und Nürnberg darum, zahlende Zoo-Besucher durch das Show-Angebot anzulocken. Dieses Argument ist jedoch durch die gestiegenen Besucherzahlen in Münster nach Schließung des Delfinariums widerlegt."

Aber auch bei den Zoo-Besuchern entstehen inzwischen Vorbehalte gegen die Delfin-Gefangenschaft durch die jahrelange Aufklärung des WDSF und Richard O'Barry (Oscar für den Film "Die Bucht"und Bambi-Preisträger und Ex-TV-"Flipper"-Trainer) sowie der Organisation ProWal und vielen Helfern in der Öffentlichkeit. Fast 200.000 Aufklärungs-Flyer haben WDSF-Helfer seit 2010 an jedem Wochenende an die Zoo-Besucher und Passanten in Duisburg verteilt. Seitdem hatte der Zoo Duisburg einen Rückgang von mehreren hunderttausend Besuchern zu verzeichnen  (s.a. RP-online vom 30.03.2012 und DerWesten vom 11.01.10214); ebenso der Tiergarten Nürnberg vor dem ebenfalls Flyer- und Protestaktionen initiiert wurden. Ab 2016 erhöhte der Zoo Duisburg daher seine Eintrittspreise pro Erwachsenen auf 16,90 Euro. Der Tiergarten Nürnberg plant ab 2018 Preiserhöhungen bis zu 22 Prozent.

Delfinarien nach WDSF-Interventionen geschlossen

Nach jahrelangen WDSF- und ProWal-Interventionen hat das Delfinarium im Allwetterzoo Münster Anfang 2013 aufgrund von durch das WDSF gegenüber den Aufsichtsbehörden aufgedeckten Mängel geschlossen. Der Münsteraner Zoo-Direktor Jörg Adler dazu gegenüber der Münsterschen Zeitung: "Die Haltung entspricht allen Anforderungen, aber wohl nicht mehr dem allgemeinen Zeitgeist. Für eine zeitgemäße Haltung der Delfine wären 20 Millionen Euro nötig und die haben wir einfach nicht."

Jürgen Ortmüller dazu: "Wir hatten allen Delfinarienbetreibern bereits 2008 mitgeteilt, dass das WDSF dafür sorgen wird, dass auch die verbliebenen drei von ursprünglich zwölf Delfinarien in Deutschland aus Tierschutzsicht schließen müssen. Der Münsteraner Zoodirektor wiederholte unsere Aussagen, dass Delfinarien nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen. Das Delfinarium im Heidepark Soltau hatten wir in Abstimmung mit dem neuen Eigentümer, Merlin Entertainments (London), bereits im Jahr 2008 schließen lassen können, insbesondere weil wir Boykottmaßnahmen aus Tierschutzgründen angekündigt hatten. Merlin Entertainments bestätigte uns schriftlich, dass Delfine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können und sie daher das Delfinarium im Heidepark aufgeben. Anfang 2013 hat Merlin Entertainments auch die Delfin-Show im italienischen Delfinarium Gardaland konsequent aufgegeben. Auf der Insel Rügen wurde nach intensiven Interventionen auch durch das WDSF der Plan fallen gelassen, ein neues Delfinarium zu bauen. Das Delfinarium im Vergnügungspark Connyland in der Schweiz musste ebenfalls schließen, nachdem wir in jahrelanger Kooperation mit ProWal katastrophale Mängel aufgedeckt hatten. In Kooperation mit dem WDSF und Schweizer Politikern wurde im Frühjar 2012 vom Schweizer Parlament ein Delfin-Importverbot gesetzlich beschlossen und damit die Schließung des Delfinariums besiegelt. Ein weiteres Hotel-Delfinarium in Bodrum (Türkei) wurde nach ProWal/WDSF-Protesten geschlossen."

Reiseveranstalter steigen aus Delfinarienangeboten aus

Die großen Reiseveranstalter TUI Deutschland (mit TUI Österreich und Schweiz), Schauinsland Reisen sowie alltours stoppten in Abstimmung mit dem WDSF aus Tierschutzgründen weltweit die Bewerbung von Delfin- und Orca-Shows. In Kooperation mit allen anderen großen deutschen Reiseveranstaltern konnte erreicht werden, dass keines der katastrophalen Delfinarien in der Türkei, in Ägypten, Dubai und Tunesien mehr angeboten wird. Der bekannte Schweizer Reiseveranstalter Hotelplan will Angebote mit in Gefangenschaft gehaltenen Delphinen und Walen ebenfalls aus dem Programm streichen, berichtet die NZZ Anfang 2018.

Besucherrückgänge im Zoo Duisburg und Tiergarten Nürnberg

Es verbleiben jetzt in Deutschland nur noch die beiden Delfinarien im Duisburger Zoo und im Nürnberger Tiergarten. Das WDSF fordert die Schließung der Anlagen und bittet die Besucher, dort keine Eintrittskarten zu kaufen. Nach fortlaufenden Protesten des WDSF und ProWal mit Tierschützern vor dem Tiergarten Nürnberg und dem Zoo Duisburg und nach intensiver Aufklärungsarbeit über die katastrophale Delfinhaltung mussten die beiden Zoos seit dem Jahr 2012 erhebliche Besucherrückgänge verzeichnen. Die Städte Duisburg und Nürnberg mussten ihre alljährlichen Zuschüsse aus kommunalen Mitteln auf über 2,5 Mill. Euro wegen der rückläufigen Zooeinnahmen und aufgrund von Sanierungsmaßnahmen in den maroden Anlagen anheben. Im Jahr 2017 war für den Duisburger Zoo ein kommunaler Zuschuss von 4,3 Mill. Euro erforderlich, um einen Konkurs abzuwenden. Grund war ein Rechenfehler bei den Pensionsrückstellungen und ein weiterer Besucherrückgang der 765.000 Euro weniger Einnahmen verursachte und dass unerwartet rund 366.000 Euro für Instandhaltungsarbeiten ausgeben werden mussten.

Laut aktueller Erhebung des Internet-Plattforum "Ceta Base" befinden sich in West-Europas Delfinarien insgesamt 305 Meeressäuger von fünf Arten in Gefangenschaft. Davon sind 283 Große Tümmler, 10 Orcas, 8 Schweinswale, 3 Belugawale und ein Amazonas-Flußdelfin. 28% dieser Tiere sind Wildfänge.

 

22.01.2018 - Sensible Wale, rätselhafte Delfine (Großartiger ARD-TV Bericht über Forschung, Schutz von Walen und Delfinen und warum man keine Delfinarien mehr besuchen sollte)

05.06.2013 - Keine negative Auswirkung für den Zoo Münster nach Delfinarienschließung (Westf. Nachrichten)

Reiseveranstalter verzichten nach WDSF-Interventionen auf Reisen zu Delfin- und Orca-Shows

Die großen Reiseveranstalter TUI Deutschland (mit TUI Österreich und Schweiz), Schauinsland Reisen sowie alltours stoppten in Abstimmung mit dem WDSF aus Tierschutzgründen weltweit die Bewerbung von Delfin- und Orca-Shows. In Kooperation mit allen anderen großen deutschen Reiseveranstaltern konnte erreicht werden, dass keines der Delfinarien in der Türkei, in Ägypten, Dubai und Tunesien mehr angeboten wird. Der bekannte Schweizer Reiseveranstalter Hotelplan will Angebote mit in Gefangenschaft gehaltenen Delphinen und Walen ebenfalls aus dem Programm streichen, berichtet die NZZ.

HEADLINES - DELFINE IN GEFANGENSCHAFT

AKTUELL

Bundestagsfraktionen sprechen sich gegen die Delfinhaltung in Deutschland aus

(WDSF - 04.10.2017) - Neben den Bundestagsfraktionen von Bündnis90/Die Grünen, der Linkspartei und der AFD hat sich nun auch sie SPD-Bundestagsfraktion gegen die Delfinhaltung ausgesprochen:

Von: Winter Maja -  spdfraktion
Betreff: AW: Delfinarien
Datum: 4. Oktober 2017 11:58:22 MESZ
An: Jürgen Ortmüller <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>

Sehr geehrter Herr Ortmüller,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Es ist völlig richtig, dass die SPD-Bundestagsfraktion die Position vertritt, dass für Tiere, für die keine optimalen Lebensbedingungen in Gefangenschaft geschaffen werden können, auch nicht in Zoos gehalten werden sollten. Wir wollen demnach keine Delfinhaltung in Zoos.

Weiterhin gutes Gelingen für Ihre Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Maja Winter
::::::::::::::::::::::
MAJA WINTER
REFERENTIN, PRESSESTELLE
..............................................................
SPD-BUNDESTAGSFRAKTION
PLATZ DER REPUBLIK 1 11011 BERLIN
WWW.SPDFRAKTION.DE

 

weiterlesen: "Delfinarien und Politik" im Bundestag

 

11.02.2018 - WDSF-Tierschutzorganisation kritisiert Tiergarten Nürnberg wegen geschönter Besucherzahlen und fordert Beendigung der Delfinhaltung (MND)

12.05.2017 - "Umstrittene Delfinzucht - Überleben die Meeressäuger in Gefangenschaft nur durch Medikamente?" (Bayerischer Rundfunk)

Radiobeitrag des Bayerischen Rundfunk vom 12.05.2017 mit Interviews mit dem Nürnberger Tiergartendirektor Dag Encke und dem Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) Jürgen Ortmüller. In einer von dem Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten US-Forschungsarbeit heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist bezogen auf die Studie darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten werden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar ist.

Erwähnt wurde in dem Radiobeitrag auch das zukünftige Verbot in Frankreich, dass Delfine und Orcas nicht mehr in Delfinarien gehalten werden dürfen, insbesondere auch aus dem Grund der Verabreichung von "Drogen". Dag Encke rechfertigt die Medikamentengabe in "seinem" Delfinarium mit dem Tierwohl. Es wurde durch das WDSF nachgewiesen, dass insbesondere im Tiergarten Nürnberg die Delfine regelmäßig mit hohen Dosen an Psychopharmaka (Valium und Serenin) und über 30 anderen Medikamenten in einem 4 1/2 -jährigen überprüften Zeitraum "behandelt" wurden.


Thomas Cook und andere Reiseveranstalter betreiben weiterhin "greenwashing"

(WDSF - 04.04.2017) In einer Meldungen der englischsprachigen "Mail Online" vom 02.04.2017 und in einer Pressemitteilung von Thomas Cook Deutschland vom 04.04.2017 heißt es, dass "mit sofortiger Wirkung 16 Ausflugsangebote aus dem Programm genommen wurden, die nicht den Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung entsprechen." Dabei wird berichtet, dass auch das Delfinarium "Sealanya" in der Türkei in Alanya aus dem Programm genommen wurde. Thomas Cook würde sich bei seiner Entscheidung auf die Global Welfare-Richtlinien des britischen Reiseverbands Association of British Travel Agents (ABTA) berufen. Dabei wird allerdings verschwiegen, dass es in der Türkei insgesamt mdst. sieben weitere Delfinarien mit katastrophalen Haltungsbedingungen gibt, von denen sich die Thomas Cook GmbH mit seinen Marken Neckermann Reisen, Thomas Cook, Öger Tours, Bucher Last Minute und Air Marin nicht distanziert hat, wie auch eine Anfrage des WDSF vom 04.04.2017 bei Thomas Cook Deutschland ergeben hat. Das WDSF bezeichnet die mehr als halbherzige Entscheidung von Thomas Cook als reines "greenwashing".

02.04.2017 - Skin-damaged dolphins and elephants forced to play tug of war: Thomas Cook blacklists 'wildlife tourism' holidays after attractions fail basic welfare standards (mail online)

04.04.2017 - Tierschutzpolitik konsequent umgesetzt (Thomas Cook Pressemitteilung)

12.07.2017 - DER Touristik will mit Tierschutz künftig Ernst machen (gloobi.de)

"Die Veranstalter der DER Touristik haben angekündigt, bis 2020 sukzessive alle Angebote mit direktem Kontakt zu Wildtieren aus ihren Programmen zu entfernen. Dabei bezieht sich das Unternehmen auf Angebote wie Elefantenreiten, Delfinschwimmen, aber auch Spaziergänge mit Löwen, Bärenshows oder Stierkämpfe ... .

Hartnäckige Kritiker -  Nach und nach setzen sich die Tierschutzstandards also durch. Das dies so ist, ist vor allem der unermüdlichen Arbeit von Tierschutzorganisationen zu verdanken. Jahrelang hatten Vereine wie Peta, das Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF, World Animal Protection und andere immer wieder den Finger in die Wunde gelegt und auf Missstände aufmerksam gemacht. Nicht jeder vermeintliche Skandal wurde dabei ganz sauber recherchiert, aber die Aktionen zeigten Wirkung. So erreichte der WDSF 2014 mit Tui, FTI, Schauinsland Reisen und Alltours eine Übereinkunft, weltweit keine Delfin- und Orca-Shows mehr anzubieten. DER Touristik und Thomas Cook schlossen sich diesem Schritt damals nicht an. ..."

 

"Tierschutz statt Urlaubsvergnügen – Reisekonzerne denken um" - alles Lüge?

(WDSF - 28.07.2017) In einem Beitrag der Berliner Morgenpost vom 28.07.2017 heißt es zwar, dass bei Reiseveranstaltern u.a. auch Schluss mit "Delfinschwimmen" sein soll. Dabei wird auf die Richtlinien des britischen Reiseverbandes ABTA verwiesen. Tatsächlich geht es aber dort um "Mindestanforderungen an den Tierschutz". Das heißt keinesfalls, dass Reiseveranstalter die sich an der ABTA-Richtlinie orientieren, sämtliche Delfinarien und Orca-Shows aus dem Programm nehmen. Lediglich das Schwimmen mit Delfinen steht auf der Kritikliste.

Der größte Reisekonzern TUI Deutschland (mit TUI Österreich und Schweiz), Schauinsland Reisen sowie alltours stoppten in Abstimmung mit dem WDSF aus Tierschutzgründen weltweit die Bewerbung von Delfin- und Orca-Shows. In Kooperation mit vielen anderen großen deutschen Reiseveranstaltern konnte zumindest erreicht werden, dass keines der Delfinarien in der Türkei, in Ägypten, Dubai und Tunesien mehr angeboten wird. TUI (s. Foto) veröffentlicht das Kooperationsabkommen mit dem WDSF wie bisher auch in allen Preisteilen der neuen Winterkataloge 17/18.

TUI Preiskatalog 2017/18

30.01.2018 - Frankreich - Gericht kippt Zuchtverbot für Delfinarien (Tierwelt)

07.05.2017 - Frankreich verbietet Haltung von Delfinen und Orcas - "Psychopharmakagabe in deutschen Delfinarien" durch WDSF festgestellt (Zeit.online)

Asterix Park Paris (WDSF-Foto)(Zeit.online) "Meeressäuger dürfen in Frankreich künftig nicht mehr in Gefangenschaft leben. Mittelfristig könnten dadurch auch die umstrittenen Shows in Delfinarien wegfallen.

Frankreich hat die Nachzucht von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verboten. Ein am Samstag veröffentlichtes Gesetz untersagt die Haltung von Meeressäugern. Ausgenommen sind lediglich diejenigen Tiere, die bei Inkrafttreten des Erlasses bereits in Gefangenschaft lebten. Tierschutzorganisationen begrüßten das Gesetz als "historischen Vorstoß".

Ein am Mittwoch vorgestellter erster Entwurf des Gesetzes hatte lediglich eine "strikte Kontrolle der Nachzucht von Delfinen" abhängig von Größe und Form der Becken vorgesehen, in denen die Tiere gehalten werden. Nachdem sie erfahren habe, dass die Meeressäuger teilweise sogar "unter Drogen gesetzt" würden, habe Umweltministerin Ségolène Royal jedoch "noch radikaler sein" wollen, hieß es aus ihrem Ministerium.

Das neue Gesetz schreibt außerdem vor, dass die Becken von Orcas und Delfinen um mindestens 150 Prozent vergrößert werden müssen, damit die Tiere mehr Abstand zu Besuchern und Artgenossen haben. Direkter Kontakt zwischen den Meeressäugern und Besuchern ist künftig verboten. Das Wasser in den Becken darf zudem nicht mehr mit Chlor behandelt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung teilten Tier- und Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd und One Voice mit, dass der Erlass "das programmierte Aus der Meeresshows" in Frankreich bedeute. Der Chef des Freizeitparks Marineland in Antibes sprach dagegen in einem Zeitungsinterview nur von einer "Breitseite" gegen solche Einrichtungen.

Psychopharmaka in deutschen Delfinarien

In einer von dem Fachmagazin Plos One veröffentlichten US-Studie heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist jedoch darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten würden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar sei. "Es ist davon auszugehen, dass sämtliche Delfine in Gefangenschaft nur durch Medikamente überleben", sagte  WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller.

Das WDSF hatte im Delfinarium des Zoo Duisburg in einem fünfjährigen Zeitraum aufgrund von gerichtlich erwirkten Akteneinsichten festgestellt, dass mehr als 20 Medikamente und Präparate zur Anwendung kamen. Ebenso wurden im Nürnberger Delfinarium mehr als 30 Medikamente nachgewiesen, die den Delfinen über einen mehrjährigen Zeitraum verabreicht wurden. Am häufigsten wurden demnach Antibiotika eingesetzt. Fast allen Delfinen in Nürnberg und teilweise auch in Duisburg seien die Psychopharmaka Diazepam (Valium) und Serenin verabreicht worden.

"Aus Sicht des Tierschutzes ist eine dauerhafte Haltung von Tieren nicht verhaltensgerecht, wenn sie nur mit Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung möglich ist", teilte das Landesinstitut für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit. Diese Aussage zur Verwendung von Medikamenten bei Tieren in Zoos hatte auch die Bundesregierung im Jahr 2015 in einer Antwort auf eine Fraktionsanfrage getroffen."

Der Park Marineland in Antibes hatte bereits im Vorfeld des Gesetzes in Frankreich verkündet, dass die Orca-Haltung aufgegeben wird:

29.04.2017 - Park Marineland in Antibes will Orca-Haltung aufgeben (Mynewsdesk)

 Medienmeldungen

Delfinarium Duisburg WDSF-Foto

 

Hier geht es zu den verschiedenen Beiträgen:

Delfinarium Duisburg

Delfinarium Nürnberg

Delfinarium Harderwijk/Holland

Loro Parque Teneriffa/Tödliche Orca-Shows

Delfinarien Türkei

Delfinarium Hurghada/Ägypten

Delfinarium Asterix Park/Paris

Delfinarium Dubai/Dolphin Bay

Delfinarium Münster (geschlossen)

Delfinarium Connyland/Schweiz (geschlossen)

 

WDSF-Beitrag: "Wohin mit den Delfinen?"

 

Katastrophale Delfinhaltung weltweit

Delfinarium Duisburg(WDSF) Die Delfinhaltung in den viel zu kleinen Betonbecken ist katastrophal. Jede Schlange hat in Gefangenschaftshaltung ein besser ausgestattetes Gehege mit Gras, Kletterbäumen und Sträuchern, das ihrem Habitat entspricht. Die Delfine schwimmen stereotyp im Kreis und haben in Gefangenschaft regelmäßig eine abgeknickte Rückenflosse. Außerhalb der Show-Vorführungen dümpeln sie letargisch in den Becken. Die antrainierten Kunststücke absolvieren sie, weil sie hungrig sind, nach dem Futterbelohnungsprinzip. In ihrem natürlichen Lebensraum springen Delfine nicht über Hindernisse, so auch nicht über die Netze ihrer Fänger wie z.B. in Taiji/Japan, und ziehen auch keine Boote mit kleinen Kindern durch das Wasser wie im Duisburger Delfinarium. Zivilisationskrankheiten werden mit Antibiotikum behandelt. Nachweislich starben im Connyland-Delfinarium (Schweiz) zwei Delfine durch Antibiotika-Behandlung.

Gegen Unverträglichkeiten innerhalb der Delfingruppen werden aus Gründen von Aggressionen und zur Dämpfung von Angst Psychopharmaka (überwiegend Diazepam/Valium und Serenin) verabreicht.

In Gefangenschaft schwimmen die Delfine in völlig kahlen Betonbecken, die wie Sterilisationskammern anmuten - so auch in Duisburg und Nürnberg. Kein Stein, keine Wasserpflanze, keine Muschel oder dergleichen erinnert an die Beschaffenheit des natürlichen Lebensraums im Meer. Die Haltungsbedingungen sind katastrophal. Für die wissenschaftlich nicht anerkannten Delfintherapien werden die intelligenten Meeressäuger kommerziell missbraucht.

Der Zoo Duisburg weist stolz auf seine Nachzuchten hin und führt diese darauf zurück, dass "es den Delfinen doch gut gehe". Tatsächlich beträgt die Todesrate der nicht nachhaltigen Nachzuchten dort rund 75 Prozent. Im Nürnberger Tiergarten liegt die Sterberate bei Nachzuchten bei rund 90 Prozent. Tiere in Gefangenschaft, die auf engstem Raum gehalten werden, weisen regelmäßig eine erhöhte Vermehrungsrate auf. Fast alle Säugetiere vermehren sich in Freihheit weitgehend kontrolliert, um der Nachzucht und der Population ein Überleben zu garantieren. In den kleinen Käfigen und Betonbecken ist auch bei Delfinen der Sexualtrieb das einzige natürliche Verhalten, das sie noch praktizieren können. Dabei kommt es regelmäßig zu Rangkämpfen, sodass immer nur ein geschlechtsreifer Delfinbulle mit Weibchen gehalten werden kann. Selbst in diesem künstlichen Sozialgefüge sind immer wieder Bissverletzungen festzustellen.

 

Hier: Liste Delfinarien weltweit auf Ceta Base
Hier: Wohin mit den Delfinen aus Gefangenschaft

Berlin Pierce Brosnan

WDSF/Fair-Play-Demo zum Schutz der Wale und Delfine in Berlin mit rund 2.000 Teilnehmern
(WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller mit James Bond 007-Schauspieler und Walschützer Pierce Brosnan)

Widerlegbare Argumente der Zoos und Tierpfleger zur Haltung von Delfinen
(Beitrag des Meeresbiologen Norbert Kochhan, vormals WDSF-Kuratorium)

„Den Tieren geht’s gut, sie werden ständig medizinisch überprüft, alle Blutwerte sind in Ordnung.“
Dagegen spricht:
Auch Menschen, deren Blutwerte in Ordnung sind, können Depressionen oder andere psychische Erkrankungen ausbilden. Auch Lustlosigkeit und Apathie sind Alarmzeichen.

„Unsere Tiere werden beschäftigt, damit es ihnen nicht langweilig wird.“
Dagegen spricht:
Langeweile in freier Natur kennen die Tiere nicht, dort „spielen“ und „beschäftigen“ sie sich aus purer Lebensfreude. 

„Wir kümmern uns liebevoll rund um die Uhr um unsere Tiere.“
Dagegen spricht:
Sagt der Mensch. Aber er kann weder Mutter, Vater, Geschwister oder die sozialen Gefüge frei lebender Tiere ersetzen. Er ist nicht in der Lage, mit Delfinen in ihrer Sprache zu kommunizieren, er kann nur in seinem Sinn interpretieren. Denn dann würde er sicherlich genug über deren tatsächlichen Zustand erfahren. Der Mensch ist kein Delfin und kann auch diesen in seiner Fürsorge niemals ersetzen.

„Sie müssen nicht an Vorführungen teilnehmen, wenn sie nicht wollen.“
Dagegen spricht:
Hier wird mit Futterdosierung gearbeitet, um die Tiere zu „motivieren“. Hungrige Delfine sind eher bereit, sich auf Clownerien einzulassen. Delfintrainer sagen, dass die Tiere immer ihre normale Grundversorgung erhalten. Aber zu Trainingszwecken wird diese deutlich reduziert, um einen Belohnungseffekt zu erreichen.

„Sie werden bei uns weitgehend artgerecht gehalten.“
Dagegen spricht:
Künstliche Landschaften, mit künstlichen Farben und künstlichem Licht. Toter Fisch zur Fütterung, der auch noch mit Medikamenten angereichert werden muss. Kein Delfin kann ausschwimmen, kein Delfin lebt in großen Familienverbänden, wie sie in der Natur vorkommen. Das Echolot verkümmert, da es nicht benötigt wird.

Unsere Haltung der Tiere dient auch dem Artenschutz.“
Dagegen spricht:
Nie wurde auch nur ein Delfin aus einem deutschen Delfinarium ausgewildert oder ein Jungtier auf das Leben im freien Meer vorbereitet. Denn dann ließe sich mit diesen Tieren kein Geld verdienen. Sie werden im Beton geboren und sterben auch in ihm, ohne jemals das offene Meer erlebt zu haben.

„Wir haben einen Bildungsauftrag“
Dagegen spricht:
Es gibt keine offiziellen Konzepte dazu. Auf Anfrage werden angegeblich doch vorhandene Konzepte nicht ausgegeben. Warum wohl? Herkömmliche pädagogische Konzepte werden überall sonst öffentlich gemacht, weil sie auch Werbung für die Sinnhaftigkeit der Arbeit bedeuten.

Kindern werden in diesem Rahmen falsche Informationen vermittelt: Delfine sind lustig, sie spritzen mit Wasser, machen Kunststücke und können sogar Boote ziehen. Kinder wissen nichts über das wahre Leben der Tiere im Meer. Denn würden sie es wissen, wären sicherlich einige unter ihnen, die auf eine Bootsfahrt verzichten würden. Man sollte selbst Kinder nicht für dumm verkaufen.

„Diese Tierschützer haben keine Ahnung, wovon sie reden.“
Dagegen spricht:
Es gibt genügend belegbare Argumente, die gegen eine Haltung von Delfinen sprechen, Fotos traumatisierter und gelangweilter Tiere, Videos mit gleichem Inhalt, Videos, die auch Gefahren für Kinder belegen, medizinische Unterlagen, Aussagen von renommierten Wissenschaftlern, wie Lori Marino et al., Aussagen ehemaliger Delfintrainer, die die Arbeit mit den Tieren hautnah erlebt haben.

„Die Delfinhaltung ist erfolgreich, wir sind mittlerweile von Importen unabhängig.“
Dagegen spricht:
Die immense Liste an Krankheiten und an psychischem Stress verstorbener Tiere ist endlos.
Tote Tiere werden durch neue Tiere im Rahmen des EEP aus anderen Zoos ersetzt. Der Zuschauer erkennt den Unterschied meist nicht.

„Wir haben nichts zu verbergen!“
Dagegen spricht:
Zoos müssen erst verklagt werden, um an Informationen zu gelangen, die die Tatsachen über die Haltung ans Tageslicht bringen. Nach dem UIG (Umweltinformationsgesetzt) hat jeder Interessierte das Recht, solche Informationen zu erhalten. Jahrelanges Tauziehen zwischen Wal- und Delfinschutzorganisationen führten zu keinem Ergebnis. Es wurden zwar gezielte Teilinformationen, mit geschwärzten Passagen freigegeben, aber die wirklich wichtigen Interna der Zoos wurden zurückbehalten. Warum wohl? Zur Zeit laufen die Auswertungen der Unterlagen.

„Die Tiere müssen bei uns nicht einmal selbst jagen und haben auch keine natürlichen Feinde. Das sollten die Tierschützer auch mal anerkennen!“
Dagegen spricht:
Muss ich zu diesem Unsinn einen Kommentar abgeben?

Mein FAZIT:
Die Zoos haben keine Argumente. Sie müssen so argumentieren, weil sie sonst scheinbar finanzielle Verluste hinnehmen würden.
Es geht aber auch anderes in der finanziellen Denkweise, hier an zwei aktuellen Beispielen:
Münster schließt, weil die Kosten für einen größeren Umbau, der nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch keine deutliche Verbesserung bringen würde, nicht mehr tragbar sind. Münster erarbeitet ein Konzept mit einem neuen privaten Betreiber, der mit Seelöwen arbeiten wird, um damit finanzielle Lücken wieder zu schließen.
Das Connyland schließt seine Delfin-Show, weil der Druck der öffentlichkeit zu groß wurde. Ein Konzept für die Delfinanlage liegt bereits vor, mit dem sich sicher noch mehr Kohle machen lässt, als mit gequälten Tieren.

Norbert Kochhan (Meeresbiologe und Logopäde




Hier: Geschlossene Delfinarien in Deutschland


(Westfälische Rundschau 2013 zur Schließung in Münster)