27.06.2018 - WDSF warnt vor Delfintherapie - "Abzocke" von Anbietern

Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hat nach jahrelangen Recherchen seine Ergebnisse über Delfintherapieanbieter und -vermittler auf seiner Homepage veröffentlicht. Es wird über Betrüger aus der Branche, die Gefahren einer Delfintherapie und über Tierquälerei der Delfine berichtet.

Pseudo-Delfintherapie mit "dolphin aid"Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF: "Eine Delfintherapie birgt große gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier. Inzwischen hat sich diese medizinisch und wissenschaftlich nicht anerkannte Pseudotherapie zu einem Millionengeschäft für Anbieter und Vermittler entwickelt. Die kommerzielle Delfintherapie ist in Deutschland verboten, sodass dubiose Anbieter wie in der Türkei, in Ägypten und in Übersee Eltern betroffener Kinder das Geld aus der Tasche ziehen."

Der Bundesverband "autismus Deutschland e.V." und Eltern von behinderten Kindern berichteten dem WDSF, dass durch Spendenaktionen oft nur ein Teil der Kosten von bis zu 15.000 Euro für eine Delfintherapie zusammen kommen würde und der Rest dann teilweise durch Darlehn von den Eltern finanziert werden müsse. Für Spendengelder die in Deutschland bei gemeinnützigen Vereinen für personenbezogene Delfintherapien eingehen, dürfen Spendenbescheinigungen für das Finanzamt ausgestellt werden.

Ortmüller: "Die Vereine kassieren die Spenden, erheben eigene Kostenerstattungen, haben manchmal gut bezahltes Personal und leiten den Rest an kommerzielle Delfintherapieanbieter im Ausland weiter. Dort sitzen dann oft Verbindungsleute, die an den Spendenaktionen partizipieren."

Der Düsseldorfer Delfintherapievermittler "dolphin aid e.V." verklagte das WDSF aufgrund seiner kritischen Berichterstattung über den "fragwürdigen Verein" vor dem Landgericht Köln. Dort wurden jedoch 20 Klagepunkte mit Urteil vom 25.10.2017 (AZ 28 O 368/16) abgewiesen. Der vorsitzende Richter des LG Köln wies darauf hin, dass "dolphin aid" sich Kritik gefallen lassen müsse und dass Inhalte der WDSF-Homepage über den Delfintherapievermittler bewiesen zutreffend seien. Über die Berufung von "dolphin aid" entscheidet das Oberlandesgericht Köln am 5. Juli 2018 (AZ 15 U 170/17). In der mündlichen Berufungsverhandlung wies der Senat des OLG Köln bereits darauf hin, dass er voraussichtlich dem erstinstanzlichen Urteil des LG Köln im Wesentlichen folgen wird. Das WDSF veröffentlichte eine Chronologie der bisher vergeblichen Rechtsverfahren von "dolphin aid" gegen das WDSF.

Während des Gerichtsverfahrens hatte sich herausgestellt, dass die "dolphin aid"-Gründerin Kirsten Kuhnert ihren Vorstandsposten bei dem Verein aufgegeben hatte und als bezahlte Managerin in das Delfintherapiezentrum CDTC auf Curacao gewechselt war.

Ortmüller: "Vereine wie "dolphin aid" betreiben bei Spendensammelaktionen ihre Abzocke. Gründer von solch fragwürdigen Vereinen wechseln dann, nachdem Millionen Euro Spendengelder alljährlich in die Vereinskasse gespült werden, zum Beispiel als bezahlte Mitarbeiter wie bei "dolphin aid" in das selbst ernannte Delfintherapiezentrum. Das Leid der Delfine in Gefangenschaft ist offenbar allen Beteiligten egal."

Im Jahr 2016 waren die Gründer des Delfintherapieanbieters "Dolphin Kids" wegen Veruntreuung von Spendengeldern zu einer Zahlung von fast 190.000 Euro verurteilt worden, weil sie sich "hemmungslos an den Spendengeldern bedient hatten", wie das Gericht formulierte, berichtet das WDSF.

Das WDSF warnt vor einer Teilnahme an einer Delfintherapie und beschreibt Alternativmöglichkeiten. "Ein Sonnenurlaub ohne Delfintherapie bringt in entspannter Atmospähre den betroffenen Kindern mit ihren Eltern meist mehr, als der Stress einer langen Anreise und der Angst der Kinder vor den Delfinen in Gefangenschaft", meint WDSF-Geschäftsführer Ortmüller.

  • 16.11.2017 - Keine Delfintherapie-Förderung bei fehlendem Nachweis „zur Teilhabe an der Gemeinschaft“ (Behörden...)
  • 17.09.2017 - Tiertherapien auch mit heimischen Tieren erfolgreich (RTL)
  • 03.01.2017 - Spenden für Tochter: Familie gerät an Islamisten im Verfassungsschutz (Augsburger Allgemeine)
    In dem Bericht heißt es: ..."Der Verwalter des „Stiftungsfonds Delfintherapie“, bei dem Familie xxxx ein Spendenkonto für Vanessa eingerichtet hatte, ist verhaftet worden. ... Ausgerechnet so einem Menschen habe man rund 6000 Euro auf dem Treuhandkonto anvertraut. ... "
  • 22.10.2016 - Nach Streit folgt anonyme Anzeige gegen „Flugkraft“ (NWZ online)
  • 27.01.2016 - Spenden für Delfintherapie in großem Umfang veruntreut - "dolphin kids" (Kölner Stadtanzeiger)
    Vorbericht aus 2006: Hausdurchsuchung bei „dolphin kids“
  • 28.04.2015 - Kinderhilfswerk steigt nach Tierschutzkritik aus Delfintherapie aus (ots/newsaktuell)
  • 22.04.2015 - Schwimmen mit Delfinen ist ein Gesundheitsrisiko (krone at)
  • 08.03.2015 - Massaker überlebt, jetzt zur „Therapie“ missbraucht  (BILD am Sonntag)
  • 09.03.2015 - Die Gefahren einer Delfintherapie (WDSF)
  • 28.06.2013 - "specialkids.ev": Üble Nachrede raubt Verein die Handlungsfähigkeit (Allgemeine Zeitung)
    Der Verein "specialkids" hat sich an dem Missbrauch der Delfine in Gefangenschaft im türkischen "Onmega Dolphin Therapy & Activity Center" in Marmaris beteiligt. WDSF: "Die Delfine werden dort unter katastrophalen Bedingungen in viel zu kleinen Meereskäfigen gehalten und leiden unter der kommerziellen Ausbeutung und dem Stress. Der Delfinpark mit seinem deutschen Inhaber Axel Linke ist einer der Mörder von Tierschutzrechten. Bei über 40 Grad Sonnentemperaturen verbrennen die Tiere regelrecht, weil ein erforderlicher Sonnenschutz fehlt. Die Delfinqual und der Missbrauch der Delfine in diesem "Therapiezentrum" ist katastrophal."  Einen Gerichtsprozess bezüglich dieser Aussagen hat das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) vor dem Landgericht Hagen und dem OLG Hamm gewonnen. Der Delfintherapievermittler "dolphin aid" hatte die Anlage ebenfalls in seinem Angebot.
  • 28.12.2007 - Scharfe Kritik an Delfintherapie (ORF.at Science)
  • Doc Dolphin - magischer Heiler oder ausgebeutete Kreatur (Wissenschaftsjournalist Colin Goldner)

    31.05.2018 - RTL II - Nicht die Delfintherapie ist förderlich, sondern das Urlaubserlebnis mit der Familie

    In der Sendereihe "Außergewöhnliche Menschen" berichtete RTL II über ein behindertes Mädchen, das mit seiner Mutter und dem Großvater an einer Delfintherapie in Belek/Türkei teilnehmen wollte. Die Therapie scheiterte jedoch an der großen Angst des Kindes vor den Delfinen. Viel größer war das Wohlbefinden des Kindes bei Sonnenschein und Spiel mit Mutter und Opa am Hotelpool. Das Urlaubserlebnis in entspannter Atmospähre fördert das behinderte Kind und hilft auch den Eltern - nicht die Delfintherapie.

    Der Filmbeitrag zeigt deutlich die Problematik einer Delfintherapie. Eltern von behinderten Kindern greifen verständlicherweise nach jedem Strohhalm, um ihren Kindern zu helfen. Viele Eltern verschulden sich manchmal hochgradig, da Krankenkassen die Kosten einer Delfintherapie i.d.R. nicht übernehmen. Das bestätigte auch der Bundesverband autismus Deutschland e.V..

    Spendenaktionen, die oft von den Medien begleitet werden, erwirtschaften vielfach nur einen Teil der immensen Kosten von etwa 15.000 Euro für zwei Wochen Delfintherapie und Anreise sowie Hotel. Ein einfacher Urlaub würde nur ein Bruchteil kosten, aber auch dafür fehlt oft das Geld bei den Eltern. Daher werden lieber Delfintherapien in sonnenreichen Ländern bevorzugt, die das Urlaubserlebnis gleich durch Spenden mitliefern. Durch Medienveröffentlichungen über Spendenaktionen setzen sich betroffene Eltern selbst unter Druck, die geplante Maßnahme einer Delfintherapie kurzfristig durchzuführen. Einen großen Teil der Kosten müssen die Eltern aber oft aus eigener Tasche tragen, sodass durchaus ein Pauschalurlaub ohne Delfintherapie die Lösung für das Wohl des Kindes sein kann.

    Experten wie Dietmar Todt, Leiter des Berliner Instituts für Verhaltensbiologie, halten es für "extrem bedenklich, das, was in Meeres-Freigehegen unter optimalen Bedingungen stattfindet, in Delfinarien nachzumachen". Solange niemand wisse, woher der angebliche Heilungseffekt kommt, würden bei den Patienten völlig falsche Hoffnungen geweckt, sagt Todt, der im israelischen Eilat den Effekt des Delfinultraschalls erforschte. "Wer sagt, wir brauchen Delfine für eine Therapie, instrumentalisiert die Tiere", so Todt.

    Nicht nur sterben nachweislich immer wieder Delfine an Infektionen, bedingt durch die teils sehr schlechte Wasserqualität. Auch Menschen, die das Wasser verschlucken oder kleine Wunden an der Haut haben, nehmen Bakterien und Viren auf, berichtet die Kronen Zeitung in Österreich unter Berufung auf Wissenschaftler. Dazu kommt, dass die Besucher die Meeressäuger mit Krankheiten anstecken können - und umgekehrt. Dabei handelt es sich etwa um Tuberkulose, Pilzinfektionen, Bronchitis, Bindehautentzündung und Leptospirose. Methoden wie die Zwangsfütterung, um die Tiere am Leben zu erhalten, seien überdies keine Seltenheit, so Tierschützer (s.a. http://www.krone.at/449461). Dazu kommt das Risiko, von einem Delfin verletzt zu werden. Der erzwungene enge Kontakt zu Hunderten Menschen führt bei den Tieren zu massivem Stress, der sie nicht nur krankheitsanfällig, sondern auch frustriert und teils aggressiv macht. Trainer und Besucher enden oftmals mit gebrochenen Fingern oder Rippen, blauen Flecken und Prellungen, berichtet die Kronen Zeitung.

    Hier der
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