Zoo Duisburg verurteilt - Angaben zur Delfinhaltung müssen herausgegeben werden - WDSF beantragt Berufung wegen zurückgehaltener Veröffentlichungen

WDSF-Foto (Timm Ortmüller Photography)

Die Klägerin (WDSF) klagt vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen den Zoo Duisburg 

(WDSF - akt. Dez. 2014) Der Zoo Duisburg wurde erstinstanzlich am 17.10.2014 verurteilt, dem WDSF vollständige Einsicht zu gewähren in die verfügbaren Unterlagen betreffend die tiermedizinischen Tagesberichte einschließlich der Ergebnisse der Blutuntersuchungen, die Revierberichte mit Vorkommnissen, und die Akten der Futterberichte und zwar in elektronischer Form, hilfsweise, soweit die Informationen nicht in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden können, durch Akteneinsicht vor Ort.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 17.10.2014:

Die Beklagte (Anm.: Zoo Duisburg AG) wird verurteilt, der Klägerin (Anm.: WDSF) vollständige Informationen ‑ soweit diese vorliegen –

- für den Zeitraum ab 01.01.2000 bis 31.12.2007 betreffend die tiermedizinischen Tagesberichte einschließlich der Ergebnisse der Blutuntersuchungen, die Revierberichte mit Vorkommnissen und die Akten der Futterberichte betreffend alle heute noch im Delfinarium der Beklagten gehaltenen Delfine,

- ferner für die Zeit ab 01.01.2008 bis gegenwärtig die Ergebnisse der Blutuntersuchungen der heute noch im Delfinarium der Beklagten gehaltenen Delfine zu gewähren.

Erst unmittelbar vor der Hauptverhandlung kam der Zoo Duisburg am 29.09.2014 nach zwei Jahren Verfahrensdauer verfahrenstaktisch teilweise der Klageaufforderung durch das WDSF nach Transparenz nach, indem auf einer gesonderten Homepage des Zoos Daten teilweise veröffentlicht werden. Bereits dabei konnten Verabreichungen von Psychopharmaka, Antibiotika und anderer Medikamente festgestellt werden. Ebenso wird u.a. bei dem Delfin Ivo über Verletzungen, Entzündungen oder Bisswunden auch durch andere Delfine berichtet. In 2011 heisst es: "Hat vermutlich eine 4 cm lange Schraube verschluckt - ist dem Wissenschaftler der Uni St. Andrews beim Einbau der Hydrophone ins Wasser gefallen." (Anm.: Wissenschaftler von der Universität St. Andrews, die im Duisburger Delfinarium geforscht haben, waren auch Prof. Vincent M. Janik und Dr. Stephanie King). Am 16.01.2014: "(Ivo) wurde von Diego beim Fischklauen in den Gaumen gebissen. Etwa 3 cm lange Rissverletzung... ."

Aber auch die anderen Delfine weisen Verletzungen auf. Bei Pepina heißt es über die Jahre: "rechte Seite Flukenansatz Bissverletzung, ... wurde gestern von Ivo rostral in die linke Oberlippe gebissen ..., hat dunkle Flecken ventral der Fluke, an einem Flipper und auf dem Schnabel, Haut löst sich z.T. ..., Flecken auf der Haut bekommen einen weißen Rand."

Delfin Delphi: "...Wunden sind sehr gut verheilt... , ... hat im rostralen linken Oberkieferbereich eine etwa 5x10 cm große Schwellung.... auf der Innenseite zeigt sich, daß 3 Zähne massiv entzündet sind und eitern... .

Sämtliche durch den Zoo Duisburg veröffentlichen Angaben der tiermedizinischen Berichte in den Jahren ab 2008 erschienen lückenhaft und teilweise unlogisch, zumal vereinzelt jahrelang angeblich keine medizinische Behandlung stattgefunden hat. Wir werden diesen Angaben auf den Grund gehen und haben gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Berufung beantragt, weil dem Klageantrag nicht vollständig entsprochen wurde und keine vollständige Einsichtnahme bezüglich der verstorbenen Tiere gewährt wurde. Das Verwaltungsgericht war davon ausgegangen, dass die Angaben entsprechend der Aussage von Zoochef Achim Winkler bei der Gerichtsverhandkung vollständig dargestellt sind.

WDSF-Klage gegen Stadt Duisburg und Zoo Duisburg

November 2012 - (WDSF) - Entsprechend des Protokolls des Verwaltungsgerichts Düsseldorf aus Juli 2012 wegen der WDSF-Klage gegen die Stadt Duisburg bezüglich der Akteneinsicht in die Haltungsunterlagen der Delfine des Delfinariums ist der Zoo Duisburg direkt gesetzlich verpflichtet, die begehrten Auskünfte über die Delfinhaltung zu erteilen. Der Richter der 26. Kammer äußerte während der Verhandlung gegen die Stadt Duisburg (die ihrer Auskunftspflicht nachgekommen war), dass er bei einer erneuten Klage des WDSF direkt gegen die Zoo Duisburg AG im Sinne des WDSF entscheiden werde. Der vorsitzende Richter begründete den Anspruch auf Akteneinsicht im Zoo für das WDSF wie folgt: "Das Gericht weist darauf hin, dass es sich bei den von der Klägerin (Anm.: WDSF) begehrten Informationen um solche handelt, die dem Umweltinformationsgesetz unterfallen und dass nach § 1 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. Abs. 3 UIG NRW der Zoo als juristische Person des Privatrechts, die der Kontrolle der Stadt Duisburg unterliegt, selbst auskunftspflichtig ist."

Das WDSF hat im November 2012 Klage direkt gegen die Zoo Duisburg AG vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf eingelegt, weil sich der Zoo bisher geweigert hat, Einsicht in die Haltungsunterlagen der Delfine zu gewähren, obwohl gerade diese Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz vorgesehen ist.  Der Zoo hat über seine Rechtsanwälte eine Abweisung der Klage beantragt, so dass es nun voraussichtlich Mitte 2013 zur Hauptverhandlung (WDSF ./. Zoo Duisburg AG) kommt.